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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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zeigen, beweist im Grunde nur, daß sie, so lange nach seinem Tode,seine überragende Größe noch immer fürchten. Aber läßt das sichallein aus dem Ewigkeitsgehalt seiner Philosophie verstehen? Wo-durch kommt ein Mann der theoretischen Forschung, wie Kant esstets sein wollte, dazu, auch außerhalb der reinen Wissenschaft der-art geliebt und gehaßt zu werden ?

Wie wenig das auf dem zeitlos gültigen Gehalt seiner Lehre alleinberuhen kann, sei zunächst an Einzelheiten gezeigt. Soll man sagen,an welchen von ihnen Kants wissenschaftliche Größe hängt, dannist es leichter, mit der Aufzählung zu beginnen als ein Ende zu finden.Voran steht die Kritik der reinen Vernunft. Kant hat in ihr derForschung ein Gebiet erschlossen, das in seiner Selbständigkeit undEigenart nahezu allen Denkern vor ihm verborgen geblieben war.Man kannte bis dahin körperliche und seelische Realitäten im Dies-seits, d. h. in der Sinnenwelt, und außerdem eine jenseitige, über-sinnliche Wirklichkeit, welche die Metaphysik erforschen sollte. DasReich, das Kant das ,,a priori nannte und zum Gegenstand seinertranszendentalen Logik machte, fällt in keinen dieser Bezirke. Esliegt sozusagenvor ihnen allen und muß mit Hilfe einer bis dahinnoch nie versuchten Methode ins wissenschaftliche Bewußtsein geho-ben werden. Schon das würde genügen, um Kant den größten Denkernaller Zeiten zuzurechnen: er ist der Entdecker einer neuenWelt.

Aber darf man sagen, daß es diese Entdeckung ist, die heute dieKulturmenschheit bewegt ? Sie wurde bisher in ihrem Wesen nurvon einem kleinen Kreis verstanden. Auch Philosophen, die Kantmit Bewunderung nennen, scheinen nichts von ihr zu wissen. Man-che sehen z. B. Kants Ideen als psychische Kräfte an, verwechselnsie also mit denideas, von denen die englischen Aufklärungsphilo-sophen reden, andere halten sie für metaphysische Gebilde, w r ie dieplatonischenIdeen es sind. Wer Kants Begriffe ins Gebiet derPsychologie herabzieht, über das Kant sein a priori vor allem er-heben wollte, oder wer den Verfasser der Kritik der reinen Vernunftfür einen Vertreter jener Metaphysik hält, der in diesem Werk derwissenschaftliche Todesstoß versetzt worden ist, der hat mit dem,worauf Kants wissenschaftliche Größe beruht, auch dann nichts ge-mein, wenn er Kant als den größten Philosophen der Neuzeit feiert.Der Transzendentalphilosoph Kant dürfte grade unserer, teils psy-