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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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nicht will. Das ist dann Privatsache. Doch bleibt es stets dabei:Aufgabe einer Wissenschaft kann es nie sein, die bloß persön-liche Weltanschauung ihrers Urhebers zum Ausdruck zu bringen.Wo das trotzdem geschieht, ist es, wissenschaftlich betrachtet, einNebenerfolg, und so erfreulich der bisweilen sein mag: zum Zielwird ein Mann, der wissenschaftlich arbeiten will, sich solchen Neben-' erfolg nicht setzen. Kant hätte dasruhmredig undanmaßendgefunden. Wissenschaft sucht stets nach Wahrheit, und wahr ist,i was unabhängig von der Person dessen, der es gefunden hat, in einenj zeitlos gültigen, sachlichen Gedankenzusammenhang einzugehenvermag. Ihm gegenüber wird dann jede Individualität theoretischunwesentlich, mag sie sittlich, künstlerisch, religiös oder sonst atheo-retisch noch so hoch ragen.

] Auch hier darf uns die Doppelbedeutung des WortesPhilosophie| nicht irre führen. Wir müssen streng scheiden zwischen persön-licher Weltanschauung und unpersönlicher Weltanschauungs lehreund dann daran festhalten: soweit eine Philosophie noch das Geprägeeiner individuellen Persönlichkeit trägt, ist sie theoretisch unvoll-kommen und verbesserungsbedürftig. Kants Philosophie bildet hier-von keine Ausnahme. In dem, worin sie nur Kants persönliche Philo-sophie ist, enthält sie noch nicht die Wahrheit, nach der die wissen-schaftliche Philosophie sucht, und deshalb darf kein Mann der Wissen-schaft in der WeiseKantianer sein, daß er Kants persönliche Welt-anschauung vertritt. Er hat vielmehr die theoretische Pflicht, überKants Individualität hinaus zu kommen, falls er den Anspruch er-hebt, in der Wissenschaft mitzuarbeiten.

Treibt man aber Philosophie als unpersönliche Wissenschaft, dannwird man auch nicht mehr darüber klagen, daß es seit Kant mit derPhilosophie bergab gehe, weil nach ihm kein Denker von seiner Be-deutung aufgetreten sei. In solchen Klagen kommt ein völlig unsach-licher und daher unwissenschaftlicher Standpunkt zum Ausdruck.Jede Wissenschaft hat Zeiten, in denen einzelne ForscherEpochemachen, und ihnen folgen andere Zeiten der Ausarbeitung und Durch-führung. Die Wissenschaft als Sache schreitet auch in wenigerglanzvollen Zeiten fort. Was sie dann leistet, mag für Dilettantennicht so auffallend sein, ist aber darum gewiß nicht weniger zumtheoretischen Fortschritt zu rechnen. Das weiß jeder Fachmann.

Ri ck ert, Kant.