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stehen, daß wenn Kants neuer Begriff des Erkennens richtig ist,dann zum erstenmal eine Philosophie der modernen Kultur auf demBoden seines Kritizismus möglich wird.
Sollte mein Buch den einen oder anderen Leser veranlassen, sichdem Studium Kants selber zuzuwenden, so wäre das sein schönsterErfolg. Aber jeder möge sich darauf gefaßt m'achen, daß er damitvor eine schwere Aufgabe gestellt ist. Nicht ohne Grund habe ichhervorgehoben, daß man Kants Erkenntnistheorie, ohne die allesandere wissenschaftlich in der Luft schwebt, sich erst dann zu eigenmachen kann, wenn man Philosophie wie ein anderes wissenschaft-liches Fach studiert hat. Natürlich werden viele das bestreiten. Aberdas sind eben diejenigen, denen philosophische Fachkenntnisse feh-len, und deren Urteil kommt in diesem Falle nicht in Betracht. DiePhilosophie war in ihren grundlegenden Teilen stets eine Wissenschaft,die eine besondere Schulung erforderte, und sie ist das im Lauf derJahrhunderte immer mehr geworden.
Gewiß darf man unter „Philosophie“ auch etwas anderes verstehen.Schon Kant hat ihren Weltbegriff von ihrem Schulbegriff getrennt.Aber er war nicht der Meinung, daß ihr Schulbegriff entbehrt werdenkönne, und was den Weltbegriff betrifft, so hielt er es für „sehr ruhm-redig, sich selbst einen Philosophen zu nennen und sich anzumaßen,dem Urbilde, das nur in der Idee liegt, gleichgekommen zu sein“.Heute dagegen scheint man zu glauben, jeder könne ein Philosophdem Weltbegriff nach werden und habe ein Recht, überall, wo Fra-gen der Weltanschauung in Betracht kommen, mitzureden, ohne imSchulbegriff der Philosophie als Fachmann zu Hause zu sein. Liebtman es doch, auch über Einsteins Relativitätstheorie, soweit man siefür philosophisch hält, ein Urteil zu fällen, ohne sich dabei auf einStudium der Mathematik und Physik zu stützen. Daß das lächerlichist, sollte keines Beweises bedürfen. Ebenso lächerlich aber ist es,wenn man glaubt, man dürfe Kants transzendentale Logik ihremwissenschaftlichen Gehalt nach beurteilen, ohne ein jahrelangesFachstudium auch der nachkantischen Erkenntnistheorie hinter sichzu haben.
Eine persönliche Bemerkung ist im Vorwort dieses Kantbuchesvielleicht noch am Platz. Man zählt mich vielfach zu den Kantianernund nennt mich dann auch einen Rationalisten. Mit dem Ausdruck