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Ja man kann von glaubwürdiger Seite hören, leitende Persönlichkeitender Kantgesellschaft seien bereit gewesen, das „Protektorat“ über dieFilmveranstaltung zu übernehmen und hätten erst darauf aufmerk-sam gemacht werden müssen, weshalb das nicht angehe. Wird einFreund der Kantischen Philosophie unter diesen Umständen nichtBedenken tragen, sich zur Schar derer zu gesellen, die Kant heute„feiern“ ? Muß er nicht gleichzeitig wenigstens gegen den Film-Unfugprotestieren ?
Wundern darf man sich freilich nicht darüber, daß eine Zeit, dieauch in der Wissenschaft auf die leicht zugängliche „Anschauung“schwört und den unbequemen „Begriff“ verachtet, schließlich zusolchen Mitteln greift, um Kant zu „popularisieren“. Der philoso-phische Gehalt seiner Werke eignet sich zu diesem Zwecke nicht. Erkann sich dem allein erschließen, der Philosophie wie jedes anderewissenschaftliche „Fach“ gründlich studiert, und ausdrücklich sei be-merkt, daß mir jede Absicht, die wissenschaftlichen GrundgedankenKants „allgemein verständlich zu beleuchten“, hier fern liegt. Daswäre eine Aufgabe, die ich, besonders in einem kleinen Buch, für un-lösbar halte.
Trotzdem hat das Kantische Denken eine Seite, die auch einemweiteren Kreise nahe zu bringen ist, und auf sie habe ich mich be-schränkt. Ich wende mich also nicht allein an meine Fachgenossen.Auch diejenigen können meine Ausführungen verstehen, die keinephilosophische Fachbildung besitzen, ja gerade ihnen möchte ichzeigen, warum alle, denen die moderne Kultur am Herzen liegt,Veranlassung haben, Kant zu feiern. Dadurch rechtfertigt sich wohldie Veröffentlichung meiner Gedanken in dieser Zeit. Kant gehörtnicht nur denen, die Philosophie als Wissenschaft treiben.
Freilich ist in dieser Hinsicht ein Vorbehalt notwendig. Die e r-kenntnistheoretischen Teile des Buches, also besondersdas elfte Kapitel, in dessen Mittelpunkt die transzendentale Logiksteht, sind weiteren Kreisen nur eingeschränkt zugänglich. Leser, dieKant nicht aus eigener, immer wiederholter Lektüre kennen und auchmit dem vertraut sind, was gegen ihn gesagt ist, müssen sich daraufbeschränken, von seiner „Logik“ wie von einer Tatsache Kenntnis zunehmen, und dürfen nicht glauben, daß meine Darstellung ihnen dasMaterial zur Beurteilung ihrer Wahrheit gibt. Sie können nur ver-