238
Nach etwas mehr als einstiindiger Fahrt auf dersehr schönen, teils von Wald umsäiunten Chausseehatte ich Xanten erreicht und befand mich damit ineiner der ältesten und interessantesten Städte amNiederrhein. Im Jahre 18 v. Chr. wurde die Stadtvon den Römern unter dem Namen Castra veteragegründet. Oftmals genannt wird Xanten als Ge-burtsort Siegfrieds in dem alten Nibelungenliede,welches durch die Wagner’sche Tetralogie wieder zugrösseren Ehren gebracht worden ist. Ein herrlichesGotteshaus ist der gotische Dom, der im XII.—XV.Jahrhundert erbaut wurde und dessen Inneresschöne Holzschnitzereien und Glasmalereien, sowieeine reichhaltige Schatzkammer aufweist. Ergreifendist die Kreuzigungsgruppe an der Südseite der Kirchedargestellt.
Nach kurzem Aufenthalte verliess ich die saubereStadt und fuhr durch den Hochwald, durch Sonsbeckund Winnekendonk nach dem berühmten Wallfahrts-orte Kevelaer. Die unzähligen Fremden, die alljähr-lich aus allen Teilen Deutschlands und Hollandshierher pilgern, Geld verzehren und Einkäufe machen,bilden für die Stadt eine reiche Quelle des Wohl-standes. Als Haupterwerbszweig ist der Devotiona-lien- und Gebetbuchhandel zu nennen. Fast un-schätzbare Kostbarkeiten birgt die zierliche, von hohenBäumen beschattete Gnadenkapelle und die schöne,teils wunderbar ausgemalte neue Pfarrkirche.
Von Kevelaer fuhr ich nach Goch, einem imletzten Jahrhundert sehr zurückgegangenen Orte undvon dort gings durch den Reichswald nach Cleve,wo ich für die Nacht zu bleiben beschloss. Clevehat 10 Ö00 Einwohner, war bis 1609 Hauptstadtdes Herzogtums Cleve und wird heute vermöge derschönen Lage am Saume des. herrlichen, 7000 ha