südlichen Ufer des gleichnamigen kleinen Sees. Aufder Weiterfuhrt kam ich durch eine Anzahl hübscherDörfer auf der schönen Strasse rasch vorwärts undhatte nach 1 '/ 2 stündigem Yorwärtsstreben die 22 kmvon Waldsee bis Bieberach hinter mir.
Wenn man behauptet, dass die Schwaben erst mitdem vierzigsten Lebensjahre gescheidt werden, so magman wohl recht haben, denn anzunehmen- ist mithin,dass sie doch wenigstens einmal wirklich gescheidtwerden. Nicht auf alle Teile unseres deutschenVaterlandes dürfte das Gleiche zutreffen, wenn mansie vom Standpunkte, des Radlers aus betrachtet.Die Chausseen sind in Schwaben nämlich last, durchwegwahre Musteranlagen und zum grössten 'Peile vonschönen Bäumen beschattet, ln den Dörfern heiTschtpeinliche Reinlichkeit, und die Häuschen mit ihrerUmgebung zeugen von Hieiss und Wohlstand derBewohner. Die Schwaben sind freundlich und zuvor-kommend gegen Fremde, und der Norddeutsche, dernicht den näselnden Ostelbier heraussteckt, ist ihnenstets willkommen.
Biberach, wie Ravensburg früher freie Reichsstadt,zählt heute 8500 Einwohner und hat manche interessanteGebäude und ein Denkmal des 1733 im nahen DorfeOberholzheim geborenen Dichters Wieland aufzu-weisen. Da ich Ulm noch heute erreichen wollte, machteich hier nur kurze Rast und fuhr über Laupheimund durch zahlreiche kleine Ortschaften dem Zielezu, welches ich nach ungefähr dreistündiger, an-genehmer Fahrt bei eintretender Dunkelheit erreichte.Nach dem frugalen Abendessen, hei dem natürlichdie unvermeidlichen „Spätzle“, ein württembergischesNationalgericht, nicht fehlen durften, schlief ich mitdem Bewusstsein ein, den heutigen Tag in schönsterWeise ausgenutzt zu haben.