- 169
die Porta S. Bartolomeo das schöne Bisagnotbalhinauf bis zur Pforte dieses Gottesackers, der inBezug auf Grossartigkeit der Denkmäler und Skulpturenwohl von keinem anderen der Erde übertroffen wird.Es grenzt geradezu ans Fabelhafte, was die Bildhauer-kunst hier geleistet, und welches Kapital die Gräber,in den Gallerien an Geist und Geld verschlungenhallen. Aber ergreifend wirken die meisten dieserherrlichen plastischen Kompositionen auf den Be-schauer, und ich muss gestehen, dass ich auf meinenKeisen mit gleicher Bewunderung und Ergriffenheitnur noch vor dem Grabe des grossen Kapoleon imDome des Invalides in Paris gestanden habe. DerFriedhof ist ein langgestrecktes Viereck, dessen west-liche Längsseite eine weite Halle abschliesst, welche,die prächtigen Grabdenkmäler der oberen Zehntausendenthält. In der Mitte des Vierecks dehnt sich einBosengarten aus, in dem die letzten Buhestätten derarmen Leute durch schlichte Kreuze bezeichnet sind.An diesen einfachen Gräbern Messen am Allerseelen-tage die meisten heissen und aufrichtigen Thräneu.Heiligtum des Friedens! Friihliugsgarten,
Wo der Liebe Hauch die zartenBlumenopfer leis’ umweh't;
In der Hoffnung DämmerscheineSchlummern hier der Sterblichen Gebeine,
Der Unsterblichkeit gesä’t.
(v. Wessenberg.)
Die Grabdenkmäler des Campo Santo sind fastdurchweg aus dem in Genua nicht teuern weissenMarmor ausgeführt, sie stellen zum grössten Teileden Toten, dem sie gewidmet sind, allein oder dieganze Sterbescene in natürlicher Grösse dar. Hierliegt eine allzufrüh dahingeschiedeue Mutter gebrochenenAuges auf dem Totenbette, während der untröstlicheGatte mit den kleinen Kindern’ weinend an demselben
21
}*ontzen, Von der Nordsee.