Druckschrift 
Von der Nordsee bis zum Mittelmeer : eine Ferienreise auf dem Rade ; Zugleich praktisches Reisehandbuch für Radfahrer
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

zu beiden Seiten der Strasse, und gleichsam mitMühe zwängt sich der brausende Wildbach zur Linkendurch dieses Felsenthor.

Auf der Weiterfahrt ändert sich das Vegetations-bild, indem die alpine Flora allmählich der südlichenweicht, die ersten Olbäume werden sichtbar, und diePflanzenwelt wird immer reicher und üppiger. Ver-sunken in den Anblick des schönen Landschaftsbildesfuhr ich langsam wieder der italienischen Grenze beiHreglio zu, als sich mir plötzlich ein finster drein-schauender französischer Geusdarm in den Weg stellteund mich nötigte abzusteigen und Rede zu stehen.Aid seine Frage nach meinen .Papieren zeigte ichihm meine Legitimationen, die natürlich deutschgeschrieben waren. Eine Weile musterte der ge-strenge Hüter des Gesetzes dieselben verständnisvollenBlickes und gab sie mir dann mit überlegenerMiene zurück. Dass die deutschen Buchstaben fürihn Hieroglyphen waren, und dass er nicht ein Wortin den Scheinen entziffert, geschweige denn denSinn derselben verstanden hatte, vermutete ich vonvorn herein. Und ich hatte mich mit dieser Ver-mutung nicht getäuscht, er erkundigte sich nachmeinem Berufe, meiner Herkunft, nach Zweck undZiel der lheise, alles musste ich ihm klar machen.Meine .Person schien ihm aber trotz alledem ver-dächtig zu sein; in eindringlichem, festem Tone fragteer mich, ob ich Soldat sei oder nicht, und dabeikonnte er sich der Bemerkung nicht enthalten, dasses gegenwärtig in Frankreich sehr viele deutsche Spionegäbe, vor deren Späheraugen selbst die Befestigungendieser Strasse nicht sicher seien. Daraufhin lachteich dem Heisssporn ins Gesicht und ärgerlich über dieseöde Anzapferei einem harmlosen Radler gegenübererwiderte ich:Es tliut mir sehr leid, Ihnen sagen zu

Pontzen, Von der Nordsee. 17