25
etwas, was für den andern interesselos ist; der eineist für den Tag zur Absolvierung von soviel Kilo-metern disponirt. und der andere ist zu einer mehroder weniger grossen Leistung aufgelegt. Fahre ichallein, so habe ich nur das Risiko für etwaige Un-fälle an meiner Maschine zu tragen, bin ich in Ge-sellschaft. so ist jede Funktionsstörung an einemder andern Räder auch für mich ein unange-nehmes Hemmniss. Diejenigen Fahrer der Gesell-schaft, welche nachgeben, oder sich der Majoritätmit Widerwillen fügen müssen, werden auf die Dauermissmutig und verstimmt, so dass bei eventuellenDifferenzen leicht gänzliche Entzweiung eintretenkann. Man ist, so lange man allein fährt, frei wieder Vogel in der Luft, wie der Fisch im Wasserund stattet hier und dort einem alten Bekannteneinen Besuch ah, der sich nach Belieben ausdehnenlässt. Stösst. dem Einzelfahrer auf der Landstrasseein ernstlicher Unfall zu, stürzt er unglücklich, soist er allerdings in den meisten Fällen ganz hilflosund auf das gute Herz irgend eines harmherzigenSamariters angewiesen, wird er auf dem Rade ange-griffen, dann steht es um seine Sache fast immer schlecht.Diese und andere interessante Erörterungen bildetenliir uns Radler in dem weinfrohen Büdesheim eineanregende gemütliche Unterhaltung, und in besterLaune suchten wir abends unsere Lager auf.
Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, alsich am andern Morgen aus einem erquickendenSchlafe erwachte. Meine neuen Freunde, die mittler-weile auch auf der Bildfläche erschienen waren, be-stiegen ihre Maschinen und fuhren mit einem vonHerzen kommenden „All Heil“ rheinabwärts. Ich zoges vor, der stolzen Germania auf dem Niederwaldeinen Besuch abzustatten und wunderte den steinigten
3