Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
1372
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1372

Kochsalz.

viel Fleisch und viele Fische einsalzt, nämlich an den Meeresküsten, ist man auch meist auf dasMeersalz angewiesen. Die Wirkung, die das Salz auf Fleisch hat es entzieht ihm das Wasserwird wahrscheinlich durch das Chlormagnesium vermittelt und unterstützt, denn dieses besitzt inhohem Grade die Eigenschaft, Wasser aus seiner Umgebung anzuziehen.

Den übrigen Bestandtheilen des käuflichen Salzes, dem schwefelsauren Natron, welches einenkühlenden, sehwach bitter salzigen Geschmack, und dem schwefelsauren Kalke, welcher einen schwachen,faden und erdigen Geschmack hat, kann man einen Werth gar nicht beimessen. Die Beimengung desletzteren kann man, ebenso wie die der unlöslichen Theile und des Wassers, nur als einen mehr oderweniger unvermeidlichen Ballast ansehen, der den Werth des Salzes in dem Grade der Zunahmeseines Gehaltes herabsetzt.

Der Unterschied in der Güte der Stein- und der Salinensalze ist ein gleicher Gehalt vonOhlornatrium vorausgesetzt sieher ein scheinbarer. Mau kann mit einem Pfund Chlornatrium inF'orm von Steinsalz ebenso viel und ebenso so stark salzen, als mit einem Pfund Chlornatrium inForm von Salinensalz. Der Effekt wird nur bei letzterem Salz rascher bemerklich, wenn man es un-mittelbar dem Geschmackssinne zuführt, als bei ersterem. Das Steinsalz ist dichter, spezifischschwerer als das Salinensalz, welches in flachen, Luft einschliessenden Erystallen voluminöser ist unddeshalb den Auflösungsmitteln mehr Fläche, mehr Angriffspunkte bietet. Auf die Zunge gebracht,wird es sich rascher lösen als Steinsalz und deshalb den salzigen Geschmack rascher zur Aeusserungbringen; ebenso wird das Salinensalz beim Einsalzen rascher seine Wirkung äussern.''

Die im Handel vorkommenden Viehsalze sind mehr oder weniger reine Koch-salze, welche man durch Zusatz von organischen Stoffen (wie Heu, Werrnuthkraut)oder durch Zusatz von Eisenoxyd etc. denaturirt, damit sie nicht der Besteuerungunterliegen.

Letztere Denaturirungmittel können mitunter schädliche Verunreinigungenenthalten, z. B. Brandsporen bezw. giftige Metalloxyde etc.

In dem eigentlichen Kochsalz jedoch dürften kaum schädliche Verunreinigungen

vorkommen.

Anhang zu Kochsalz.Im Ansehluss an das Kochsalz mag erwähnt sein, da^s man in ilei Literatur vielfache Angabenüber essbare Erden findet. Dieselben haben zwar mit dem Kochsalz nichts gemein, gehören aberdem Mineralreich an und finden daher hier die passendste Erwähnung. So berichtet Berbeck übereine essbare Erde, die auf Java von den Einwohnern gegessen wird. Dieselbe ist nach M.Hehberling's Untersuchungen ein fetter Thon von folgender Zusammensetzung:

Wasser + Kiesel- Eisen- Thon- . Mag- Mangan-

flücht. Stoffe 1 ) säure oxyd erde nesia oxydul

1. Ursprünglicher Thon 14,80"/,, 39,77°/, 9,81% 25,94% 3,03% 1,35% 0,59% 0,57% 3,86%

2. Di Salzsäure löslich 0,41 6,68 4,81 0.22 0,08 0.07 0,15

Eine andere sog. essbare Erde aus Japan besitzt nach G. Love folgende procentige Zusammensetzung:

Wasser Kali Natron Kalk Ma f Man ^ a " FA ^ T1 T «"«P^ Schwefel- Kiesel-

nesia oxyd _ oxyd erde saure saure saure

11,02% 0,23% 0,75% 3,89% 1,99% 0,07% 1,11% 13,61°/,, Spur 0,19% 67,91%

In Lappland wird dem Brot eine essbare Erde zugesetzt, welche sich nach C Schmidt'sUntersuchungen als kalireicher Glimmer erwies. Zu demselben Zweck dient in Südpersien eineweissgraue Masse (G'hel i G'iveh" genannt), welche aus 66,96% Magnesium- und 23,63% Calcium-karbonat besteht. Wenn man von letzterer Masse annehmen kann, dass sie als Brotlockerungs-mittel benutzt wird, so lässt sich über den Zweck der Verwendung der beiden ersten Sorten ,.ess-barer Erde" nichts Bestimmtes augeben.

Kali Natron

') Mit 0,506 % Ammoniak.