Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
205
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Der unverdaute Theil der Nahrung.

205

Dagegen befindet sich im Koth mehr unverdaute Stärke bei Genuss vonHülsenfrüchten und grünem Gemüse. Die derbwandigen Zellen der reifenHülsenfrüchte scheinen, obwohl sie aus fast reiner Cellulose bestehen, garnicht ver-daut zu werden, so dass nur jener Theil der Leguminosenstärke, der nach mechanischerZertrümmerung der Zellen aus diesen -..herausgefallen ist, der Ernährung zu gutekommt.

Fig. 8.

Koth: a Muskelfasern, b Sehne, o Epithelien, d Leukocj'ten, e—1 verschiedene Formen von Pflanzeu-zellen, dazwischen überall massenhafte Bakterien (1), zwischen h u. b Hefe, k phosphorsaures

Ainmonmagnesium.

Die Stärke unreifer Hülsenfrüchte dagegen wird ebenso vollständig verdaut wiedie der Getreidearten, d. h. mit Einschluss der Zellmembranen des stärkehaltigenGewebes. Unverdaut bleibt bei beiden nur die Schale, obwohl auch diese (d. i. diePalissadenschicht und die unter ihr gelegene Schicht der sog. Trägerzellen) aus fastreiner Cellulose besteht. Grünes Gemüse, sogar der breiig zubereitete Spinat, wirdnur unvollständig verdaut. Aus dem Grunde empfiehlt sich grünes Gemüse nichtals Krankenkost.

Die Kleberschicht derGetreideart.cn verhält sich den Hülsenfrüchten ähnlich;ihre aus reiner Cellulose bestehenden Membranen werden nicht verdaut, ihr ausProtein und Fett bestehender Inhalt nur in soweit, als er durch Zerreissen derZellen frei geworden ist. Die alte Streitfrage, ob feines oder grobes, kleberreichesMehl, muss daher zu gunsten des feinen Mehles ausfallen.

Fr. Kermauner 1 ) unterwarf in derselben Weise den menschlichen Koth beigemischter oder Fleischkost einer mikroskopischen Untersuchung und fand, dassauch vom Fleisch unverdaute Reste in den Koth übergehen, die je nach Verhält-nissen schwanken; in 3 Versuchen betrugen die unverdauten Reste 0,2—1,04 °/ 0 desgenossenen Fleisches.

Aus diesen und anderen Untersuchungen schliesst W. Prausnitz 2 ), dass derMenschliche Koth, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zum grossen Theil nicht ausNahrungsresten, sondern aus Darmabsonderungen besteht.

Fr. Voit s ) geht noch weiter als Prausnitz; er glaubt auf Grund von Ver-

*) üeitschr. f. Biologie 1897, 35, 816.') Ebendurt 1897, 35. 839.") Ebendort i892, 29, 325.