Sonstig* 1 Stickstoff Verbindungen.
91
Stoffhaitigen Glukosiden haben die folgenden eine Bedeutung für die Nahrungs-toittelchemie:
a) Amygdalin C 2n H ä7 NO n -f 3H.D = C e H 5 • CH(CN)0 • C 18 H 2 O l0 , in denbitteren Mandeln (2,5—3,5%), in den Kernen der Aepfel (0,6°/,,), Kirschen (0,82%),Pflaumen (0,96%), Pfirsiche (2,0—3,0%), in den Kirschlorbeerblättern, sowie zahl-reichen Familien der Pomaceen, Amygdalaceen, Sorbusarten und der strauchartigen•spiraeaeeen.
Behufs Darstellung werden die durch kaltes Pressen thunlichst vom Fett befreiten bitterenHandeln zweimal mit 25°/ 0 -ige,m Alkohol ausgekocht, die Auszüge nach vollständiger Klärung fittrirt,durch. Destillation von */« des Alkohols befreit und der Ruckstand mit '/•_, Vol. Aether gemischt. Hier-durch scheidet, sich das Amygdalin krystallinisch aus; es wird abgepresst, mit Aether gewaschen und*us kochendem Alkohol umkrystallisirt.
Es krystallisirt aus starkem Alkohol in wasserfreien, glänzend weissen Blättchen,ft us wässerigen Lösungen mit 3 Mol. Wasser in durchsichtigen, rhombische Prismen.
Es löst sich in 12 Theilen kalten und in jeder Menge kochenden Wassers, in904 Theilen kalten und 11 Theilen siedenden Alkohols von'95° „, in Aether ist esunlöslich; die Lösungen drehen polarisirtes Licht nach links; es schmilzt unter Zer-setzung bei 200°. Von conc. Schwefelsäure wird es mit blass violetter Farbe gelöst.Beim Erwärmen mit verdünnter Schwefelsäure dagegen und mit, einer geringen MengeEmulsin zerfällt es unter Aufnahme von Wasser nach folgender Gleichung in Glukose,-Bittermandelöl und Blausäure:
C.H^SO,, + 11,0 = 2 C c H 12 0 6 + <.'„H 5 .('H.OH. CN oder (!„ H 5 • COH -f- HCNAmygdalin Zucker Benzaldehyd- Bittermandelöl Blau-
cyanhydrin oder Bcnzaldehyd säure.
Technisch wird das Bittermandelöl in der Weise hergestellt, dass man die entfetteten bittereuMandeln in einer Destillirblase mit 80 Thln. Wasser — zur Darstellung von Bittermandelwasser mit1 Thl. Alkohol — und 0,5 Thln. verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) zu einer gleichmässigen Masseanrührt, 12 — 24 Stunden stehen läset, darauf auf freiem Feuer oder besser mittelst gespannterWasserdämpfe destillirt.
Dem Gehalt der Kirsch- und Pflaumenkerne an Amygdalin verdanken die Kirsch-ünd Zwetschenbranntwein ihren Gehalt an Blausäure.
b) Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure, Süssholzzucker) C 44 H c3 N0 18 , kommt bisÖ% an Kalk und Ammoniak (NH 4 • C 4I Ii 6ä N0 1K ) gebunden in der Süsshoizwurzel(Glycyrrhiza glabra und echinata); sowie in der Wurzel von Polypodium vulgare undpennatifidum, im Kraut von Myrrhis odorata und in der Kinde von Chrysophyllumglycyphlaeum vor.
Das Glycyrrhizin verhält sich wie eine dreibasische Säure und wird wie folgtgewonnen:
Zerschnittene russische Süsshoizwurzel wird mit kaltem Wasser ausgezogen, der Auszug durchKochen von Eiweiss befreit, filtrirt, eingeengt und das (Jlycyrrhizin durch verdünnte Schwefelsäure(hi hellgelben Flocken, die alsbald zu einer dunkelbraunen, zähen Masse zusammenfliessen) abgeschie-den. Jfach vollständigem Auswaschen der Schwefelsäure mit Wasser löst man die zähe Masse in ver-dünntem Ammoniak und verdampft die Lösung nach dem Filtriren hei massiger Wärme zur Trockne;der zerriebene Rückstand wird mit alkoholischer Ammoniakflüssigkeit durchfeuchtet und bei möglichstniedriger Temperatur abermals eingetrocknet; es hinterbleibt das Olyeyrrhinum ammoniacale oder"lycino (NH 4 ) 3 C^jH^Nü,,, welches sieh leicht in Wasser und Weingeist zu einer stark süss schmecken-den Flüssigkeit löst; in absolutem Alkohol ist es schwer, in Aether unlöslich. Aus der Lösung wird