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Nicht aber ohne erhöhtere Freude wirdbei diesem Spiele der Bildung und Zerstäu-bung der Naturfreund gewahr, dafs, so wiejede einzelne höher entwickelte Flechte ge-wisse Stadien durchläuft, auch das ganzeFlechtenthum ähnliche Erscheinungen biete,ja dafs selbst jene vor- und rüchwärtsschrei-tende Metamorphose in den einzelnen Artender Lichenen seinen stehenden Typus finde,von dem wir hier nur noch mit Wenigem dieHauptzüge geben wollen. Zuerst bemerkteman blofs einfachen Staub, der sich ailmäh-lic verdichtete und bereits durch zwei ver-schiedene Lager den Typus einer höherenBildung in sich trug; dennoch gelang esdiesem Flechtenorganismus nicht, sich einebestimmte Gestaltung zu verschaffen — erblieb gestaltloser Staub, kaum dafs einzelneFädchen einen schwachen Zusammenhangins Ganze brachten — es waren diefs dieS ta vi bfl echten.
Auf schon höherer Stufe bildete sich eineRindenkruste im Gegensatz der untern Mark-substanz , selbst die äufsere Begränzung wur-de nicht selten regelmäfsig, rundlich, derRand gelappt und ausgezackt, ja selbst deut-lich unterschiedene Fruchtkörper bemerkbar,noch aber alles auf dem Substrat innig be-festigt als Krustenflechten.
Am Rande trennt sich schon der Flech-tenkörper los, die Ausarbeitung des Innernist höher gediehen, die langgestreckten Zel-len haben die Oberhand gewonnen; daherallmählig das Krustenartige schwindet, wo-für das häutige Membranöse eintritt. Den-noch wenn auch bereits das Ganze sich vomBoden loszutrennen sucht, gelingt es ihmnicht, sich empor zu richten, so wie auchnoch die flache Ausdehnung der Krusten-flechten geblieben, die nun mehr in Form
DER FLECHTEN.
und Structur den Blättern höherer Pflanzengleichen, wefshalb die Flechten auf dieserStufe blattartige oder Blatt flechtenheifsen.
Endlich hat sich beinahe ganz der Flech-tenkörper von seinem Substrate losgetrennt,indem fast nur ein einzelner Punct der be-festigende ist. In der ganzen Bildung istdie verticale Richtung sichtbar geworden,wodurch sie als Vorläufer höherer pflanz-licher und thierischer Gestalten erscheinen,wie -wir sie bei den Bäumen und Corallen-thieren finden. Die Flechte wurde zurbaumartigen.
So gelang es den Flechten, sich aus demStaube emporzuheben, mancherlei Bildungs-stufen zu durchlaufen und endlich auf derhöchsten Höhe aufrecht, gleichsam nachjenem Urborn des Lichts und der belebendenWärme emporzublicken, aus dem Licht, Le-ben und Freude in ungemefsner Fülle aufalle Naturen herniederströmt.
7. Wohnörter und. geographischeVerbreitung der Flechten.
Auf den höchsten Häuptern der Gebirge,welche in der ganzen Umgegend das däm-mernde Morgenlicht zuerst still begrüfsen,ist die eigentliche Heimath der Lichenen,dort ihre ursprüngliche Geburtsstätte zu su-chen. Darum blickt nicht ohne Erhebungdes Gemüths der sinnige Naturfreund nachjenen Höhen, wo gleichsam die ersten Fun-ken des organischen Lebens erglimmen. Istes doch auch nicht anders, als wenn mit demW'ehen des Morgenwindes von jenen Bergenin die Thäler herab zugleich ein frischerLebenshauch, gleichsam der frische reine,noch nicht von Kohlenstoff verpestete, Le-