CORTEX ADSTRINGENS RRASILIENSIS.
JLJie Rinde unter diesem Namen, welche inAmerika als ein vorzügliches Mittel gegenGonorrhöen, Ilämorrhagien, weifsen Flufsu. s. w. gebraucht wird, lehrte uns der Kauf-mann Schimmelbusch in Solingen («)kennen.
Noch ist die Abstammung der Rinde nichtausgemittell, und man weifs blofs, dafs sienach der Aussage eines Südsee-Insulaners,durch welchen Schimmelbusch zur Kennt-nifs derselben gelangte, von einem hohen Bau-me einiger Inseln des stillen Oceans und ins-besondere der Freundschaftsinseln genommenwerden soll. Wahrscheinlich gehört der Baumzur Familie der Rubiaceen, da die Rindeeinen heftig adstringirenden Geschmack be-sitzt , xmd die Gewachse dieser Familie sichdadurch auszeichnen.
II.
Sie erscheint theils in flachen, theils inhalb und ganz gerollten Stücken von 4 bis
12 Zoll Länge. Die flachen Rinden habenoft gegen 2 f Zoll Breite; der Breite-Durch-messer der Röhren aber variirtvon der Stärkemehrer Linien bis zu einem Zoll. Der Bruchist bei starken Rinden faserig, bei Jüngernglatt (&). Da die Rinden sämmtlich mit ei-ner starken Bastlage versehen sind, so zeigensich beim Querbruche oft ganze Büschel A r onFasern (Fig. 4. a.). Bei alten Rinden, beson-ders bei flachen, erscheinen die Seitenkanten,durchs Reiben währenddes Transportes, nichtselten ganz feinfaserig (Fig. 2- b. b.). DieOberfläche der Rinden ist grob -runzlich undmit Quer- und Längsfurchen versehen; anmehren Stellen bemerkt man noch die Ober-haut mit der Rinde, an mehren jedoch feh-len diese beiden Körper, und man erblickt nur,besonders bei alten flachen Rinden, die Bast-lage. Ist die Oberhaut noch vorhanden, so fin-det man sie häufig mit blaulich- und gelblich-weifsen Flechten bedeckt, (Fig. 3. a. a.) (ei-sernst besitzt sie eine schmutzig braune Farbe,
*■
I I
(a) 55 raii des Archiv U.R. S. 200. S chiminelb u s c hkehrte im Jahr 1811) aus Brasilien, Woselbst er mehreJahre gelebt hatte, inrück. Er unterhält noch jetztzwei Uandlungthäiiser daselbst, eines in Rio de Janeiround ein zweites in Bahia.
(b) Der faserige Bruch röhrt meist von der unter derRinde befindlichen Splintlage her: denn der Bruch derreinen Kinde ist ziemlich glatt.
CO Hr. Dr. Zenker hat die Güte gehabt, die Flechtenauf dieser und den nachfolgenden Rinden zu untersu-chen , und icli theile hier die mir von ihm darüber1. Band. 1. Heft
gegebenen Nachrichten mit. ,.Dcr weifte dünne Ue-berzug gehört zu einem Fadenpilze, von dem jedochdie Art nicht genau bestimmt werden konnte, da sich dieSporidicn (Samen) noch nicht entwickelt hatten. Jenefadenartige Strurtur tat besonders in einigen Rissen derRinde deutlicher, wo sie sich stärker ausgebildet hatund zugleich in grüfsercr Menge vorhanden ist. Dafshier die Oberhaut {Epidermis) nicht mit im Spiel scy,beweist der Umstand, dafs jener Pilzübcrzng zugleichauch die Rindenrisse ausfüllt, ohne der inicroscopischenUntersuchung zu gedenken , welche jene Faden deutlichzeigt."
1
Z.