175
„Ich begreife nicht," versetzte Maurevel.
Catharina zuckte die Achseln.
„Jbr begreift nicht, daß ein Ehemann, der einensolche» Brief erhält, sich ärgert?"
„Wie mir scheint, ärgerte er sich nicht zur Zeitdes Königs von Navarra."
„Einem König gehen Dinge hin, die einem ein-fachen Liebhaber nicht hingehen. Ncrgert er sich übri-gens nicht, so werdet Ihr Euch für ihn ärgern."„Ich?"
,,Allerdings/"
„Ihr nehmt einen Mann, sechs Mann, wenn essehn muß, Ihr vermummt Euch, sprengt die Thüre,als ob Ihr von dem Baron abgeschickt wäret, Ihr über-rascht die Liebenden mitten in ihrer gvheimen Zusammen-kunft, Ihr schlagt >m Namen des Gatten, und das Bil-let, welches in einem Gange des Louvre verloren undvon einer guten Seele gefunden worden ist, die es be-reits in Umlauf gebracht hat, beweist am andern Tage,daß es eine Rache des Mannes gewesen ist. Nur hatcs der Zufall gefügt, daß der Liebhaber der König vonNavarra war; aber wer konnte dicß errathen, da Je-dermann glaubte, er wäre in Pan."
Manrevcl schaute Catharina voll Bewunderung an,und entfernte sich mit einer tiefen Verbeugung.
Zu gleicher Zeit, da Maurevel das Hotel SvissonSverließ, trat Frau von Sauve in daS kleine Hans derCroir-des-PetitS-ChampS.
Heinrich erwartete sie an der halb geöffneten Thüre.
Sobald er sie ans der Treppe erblickte, fragte er:
„Man ist Ench nicht gefolgt?"
„Nein/' crwiederte Charlotte, „wenigstens nicht,daß ich es wüßte/'
„Ich meines TheilS glaube, man ist mir nicht nurin der vergangenen Nacht, sondern auch diesen Abensgefolgt."