Druckschrift 
9/10 (1845)
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

XIII.

Der Thurm des Dnllhauses.

Die Nacht war über die Stadt herabgesunken, weichenoch bebte von dem Geräusch der Hinrichtung, deren ein-zelne Umstände von Mund zu Mund gingen und in jedemHause die heitere Stunde des Abendbrodes verdüsterten.

Aber tm Gegensätze gegen die schweigsame,, traurigeStadt war der Louvre geräusckivoll, lustig , beleuchtet.ES fand ein großes Fest im Palaste statt, ei,, Fest, be-fohlen von Karl IX., ein Fest, das er für den Abend zugleicher Zeit bezeichnet chatte, da er für den Morgen dieHinricbtung bczeichnete.,

3)jc Köntgin von Navarra hatte schon am Abend vor-her den Befehl erhalten, sich dabei einzufinden, und inder Hoffnung, La Mose und Coconngs würden tu derNacht gerettet, in der festen lleberzeugung. alle Maß-regeln wären für ihre Flucht getroffen, hatte sie ihremBruder geantwortet, sie würde seinen Wünschen ent-sprechen.

Aber seitdem sie durch die Scene in der Kapellejede Hoffnung verloren, seitdem sie in einer letzte» Be-wegung'frommer Gefühle für diese Liebe, die größte undtiefste, die sie in ihrem Leben empfunden, der Hinrich-tung bcigewohnt hatte, hatte sie sich auch gelobt, daß sieweder Mitten noch Drohungen veranlassen sollten, einemfreudigen Feste im Louvre an demselben Tageheizuwoh-neu, an welchem sie ei» so trauriges Fest auf der Gravegesehen.

Der König Karl IX. gab an demselben Tage einenneuen Beweis von jener Macht des Willens, welchevielleicht Niemand auf diesen Grad trieb, wie er. Seitvierzehn Tagen an das Bett gefesselt, hinfällig wie einSterbender, bleich wie eine Leiche, stand er gege« fünfUhr auf und legte seine schönsten Gewänder an. Es ist