IL6
„Ich muß zuerst den König von Frankreich hören,denn »ach Eurem eigenen Geständniß, Madame, ist Alles,was Ihr da sagt, nur eine Voraussetzung."
„Allerdings," sprach Cathanna, „Ihr könnt Euchaber immerhin über Eure Absichten erklären."
„Ei, mein Gott!" erwiederte Heinrich in unschul-digem Tone, „da ich keine Ansprüche habe, so habe ichauch keine Absichten."
„DaS heißt nicht antworten," sagte Catharina, welchefühlte, daß die Zeit drängte, und sich von ihrem ZorneHinreißen ließ; „sprecht Euch auf die eine oder auf dieandere Art aus."
„Ich kann mich nicht über Voraussetzungen anS-sprechen. Es ist eine so schwierige, und besonders so ernsteSache, einen bestimmten Entschluß zu fassen, daß mandie Wirklichkeit abwarten muß."
„Hört, mein Herr," sagte Catharina, „es ist keineZeit zu verlieren, und wir verlieren sie in leerem Streiteund in gegenseitigen Feinheiten. Spielen wir unser Spielals König und Königin. Nehmt lJhr die Regentschaftan, so seyd Ihr todt."
„Der König lebt," dachte Heinrich.
Dann sprach er laut und mit festem Tone:
„Madame, Gott hält das Leben der Menschen undder Könige in seinen Händen; er wird mich erleuchten.Man melde Seiner Majestät, ich seh bereit, vor ihm zuer-scheinen."
„Bedenkt es wohl, mein Herr."
„Seit den zwei Jahren, die ich geächtet bin, seitdem Monat, den ich gefangen gehalten werde," antwor-tete Heinrich mit ernstem Tone, „habe ich Zeit gehabt,nachzndenken, und ich habe nachgedacht. Wollt also dieGüte haben, zu dem König hinabzugehen und ihm zusagen, ich folge Euch. Diese zwei Braven," fügteHetnrich, auf die zwei Soldaten deutend, bei, „werdendarüber wachen, daß ich nicht entfliehe. dleberdieS istdies gar nicht meine Absicht."