So vergingen zwei Minuten, ei» Jahrhundert desTodeskampfes Sekunde für Sekunde verbraucht, undjede von diesen Sekunde» lieferte, was die Einbildungs-kraft au wahnsinnigen Schrecknissen zu erfinden ver-mag , eine ganze Welt von Vissonen.
Alen^on konnte cS nicht länger auShalten. Er standauf und durchschritt sein Vorzimmer, das sich bereits mitEdelleuten zu füllen begann.
„Seyd gegrüßt, meine Herren," sagte er, „ichgehe zum König hinab."
Und um sich in seiner verzehrenden Unruhe selbstzu täuschen, vielleicht auch nur um ein Alibi vorzubereiten,ging Alencon wirklich zu seinen, Bruder hinab. Warumbegab er fich zu ihm? Er wußte es eigentlich nicht . . .Was hatte er ihm zu sagen? Nichts! Es war nichtKarl, den er suchte: es war Heinrich, den er floh.
Die Wachen ließen ihn eintreten, ohne ihm einHinderniß entgegenzusetzen; an Jagdtagen gab, cskeine Etiquette, keinen Befehl.
Franz durchschritt nach und nach das Vorzimmer,den Salon und das Schlafzimmer, ohne Jemand zufinden. Endlich dachte er, Karl wäre ohne Zweifel inseinem Waffencabinet, und öffnete die Thüre, welche vomSchlafzimmer in dieses Cabiuet ging.
Karl saß vor einem Tische in einem großen Fau-teuil mit hoher geschnitzter Lehne. Er wandte der Thüre,durch welche Franz einqetreten war, den Rücken zu.
ES schien, als wäre er in eine Beschäftigung ver-tieft, die ihn gan und gar beherrschte.
Der Herzog näherte fich ans den Fußspitzen; Karllas.
„Bei Gott!'^ rief plötzlich der König, „das ist einbewunderungswürdiges Buch. Ich habe davon sprechenhören, glaubte aber nicht, daß es in Frankreich vor-handen wäre."
Alencon horchte und machte noch einen Schritt.