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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
147
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Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern- 147

wir über das Leben der Griechen an ihnen selbst Zeugen der Art, daßns durch sie diejenige mittelbare Kenntniß zu Thcil wird, welche der un-mittelbaren am nächsten steht. Was sie von sich überliefert haben, be-schränkt sich nicht, wie es die den Orient betreffenden Nachrichten thun,ans große weithin wirkende Veränderungen in Besitz und Herrschaft, esdringt vielmehr oft so tief in ihr Leben ein, daß die geschichtliche For-schung manche bis in's Kleine und Einzelne ansgeführte Bilder ihresLebens zu geben vermag. Wenn aber von ihnen eine reichere Kundelebt, als von den Orientalen durch eigene oder fremde Ueberlieferungentstanden ist, so kommt dies daher, daß in ihnen reiche Anlagen sichglücklich entwickelten und also mit der Fülle dessen, was in ihnen war,der Trieb, den geistigen Besitz in Werken auszuprägcn, sich ergab. Ausdemselben Grunde ist zu erklären, daß mit ihrer Thätigkeit ein Fadensich zu spinnen anfängt, der sich durch die Geschichte aller späteren Völ-ker hindurchzicht. Sind die asiatischen Volker unbedingt vergangen, soleben die Griechen in sofern fort, als nicht allein die späteren Volker,um die allmälige Entwicklung der von der Menschheit im Ganzen er-reichten Cultur zu begreifen, auf dieses Erftlingsvolk höherer Cultur zu-riickblickcn, sondern auch für den Einzelnen, der zu höherer Cultur hinan-strebt, die Ucbuug der Kräfte in ähnlicher Weise zu beginnen hat, wiesie bei den Griechen betrieben wurde. Ganz besonders ist die aufmerk-same Betrachtung und Erforschung ihrer Geschichte auf dem christlichenStandpunkte dcßwcgen erforderlich, weil sie die Entwicklung des reinnatürlichen Menschen nach allen seinen Anlagen im höchsten Einklängeaufwcisen und durch ihr Beispiel zeigen, welches die Stufe sei, die ohneübernatürliche Leitung für die Menschheit erreichbar und welche Schran-ken ihr auch mit den vorzüglichsten der bloß natürlichen Kräfte unüber-steiglich gewesen. Daß der Grieche in allen hinterlassenen Denkmalenso gefällig und vernehmlich über seine eigne Stellung redet, verdankt er-ber glücklichen Anlage, mittelst deren er sich gegen die Erscheinung derAußenwelt weder zu unterwürfiger Hingebung, noch zu sträubender Ab-wehr getrieben fühlt. Dadurch entsteht in allen Erzeugnissen seinesGeistes eine Harmonie, vermöge deren der Ausprägung der Ideendie künstlerischen Mittel genügen und die Ideen hinreichenden Stoff für-künstlerische Thätigkeit gewähren. In dieser Harmonie liegt die Größeund die Schwäche des Volkes. War cs durch den Frieden, in dem esmit der Erscheinung lebte, zu schöner, bildlicher Ausbreitung seinesinneren Lebens befähigt, so empfand cs auch in genußreichem Spielmit einer schönen und durch eignes Schaffen verschönerten Gegenwartzu wenig von dem Zuge nach dem, was jenseits aller Erscheinung liegt.

2. Die Frage nach dem Zusammenhänge, in welchem das Volkdurch seine Herkunft mit den der allgemein menschlichen Heimath näheren

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