112
Die Perser.
ausscheiden. Unter ihnen haben verschiedene zu verschiedenen Zeiten imBesitze höherer Bildung die übrigen beherrscht und dieselben durch ihreHerrschaft an ihrer eigenen Bildung Theil nehmen lassen, soweit nichtungünstigere Naturbedingungen ein Beharren in dem nomadischen Zu-stande mit sich führten. Im Besitze solchen Vorranges sind der Reihenach die Baktrier, die Meder und die Perser gewesen.
2. Die Gründer des baktrischen Staates sind die Arier, die näch-sten Verwandten der Inder, welche nach der Sprache, in der ihr zumTheil noch erhaltenes Religionsbuch, Zendavesta oder das göttliche Wort,abgefaßt worden, auch das Zendvolk genannt werden. Ihre festenWohnsitze haben sie in den Gegenden des oberen Orus gehabt, wo einein die Geschichte des westlichen Asiens durch die Sage von Ninus Er-oberungen hineinreichende Kunde sie voraussetzt. Sie selbst bewahrtendie Ueberlieferung von der Wanderung, durch welche sie diese Gegendenin Besitz genommen. Diese Wanderung muß ihren Ausgangspunktnordöstlich von ihren späteren Sitzen an dem kalten Westabhange desBelurtag und Mustag gehabt haben. Ihr Führer auf derselben istKönig Dschemschid, der mit einem von dem Gotte Ormuzd erhaltenengoldenen Dolche die Erde spaltet und dem in Besitz genommenen Landeden Ackerbau und in ihm die Grundlage der Civilisation verleiht. Wiebei den iranischen Völkern überhaupt die Sorge für den möglichstenAnbau des Landes von religiösen Vorschriften getragen wird und einenwesentlichen Bestandtheil ihrer staatlichen Ordnung bildet, zeigt sich dasbaktrische Reich in seinen Ueberlieferungen als Feind der nordwärts inden Tiefebenen von Turan wohnenden Nomaden. Dieser Gegensatzwird als die Folge einer Trennung dargestellt, welche zu Ende der von »Dschemschid hergeleiteten Dynastie der Pischdadier unter den SöhnenFeriduns entstand und nach welcher unter den von den Turaniern ge-trennten Jraniern die Dynastie der Keanier sich erhob. Die Zeit dieserDynastieen ist unbestimmbar und die Ueberlieferungen enden mit demunter dem Keanier Gustasp lebenden Zarathustro oder Zoroafter, demdie Ausbildung und Feststellung der religiösen Lehren zugeschrieben wird.Seiner Verfassung nach gehörte der Staat den Kastenstaaten an. Prie-ster, Krieger, Ackerbauer und Handwerker bestanden strenge gesondertnebeneinander und aus der Priesterkaste waren die Könige.
3. Die Religion Zarathustrv's hat, wie sich aus der dem Ackerbaubeigelegten Bedeutung erklärt, eine astronomische und astrologische Grund-lage. Die beweglichen himmlischen Lichter, Sonne, Mond und fünfandere, worunter eines den Namen Mithras führt, sind Gegenständeder Verehrung. Aber die Religion nimmt im Vergleich zu andere»Religionen des ältesten Asiens eine höhere Stufe dadurch ein, daß dieVerehrung sich dem Lichte, als etwas Einheitlichem und nicht Stoffarti-