Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
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Urgeschichte.

nur als leise und kurze Schritte, durch welche die einmal eingeschlagencund schon weit zurückgelegtc Bahn der Entwicklung sich nur unmerklichverlängert. So hat auch das Menschengeschlecht in seiner Jugend raschnacheinander alle die Erfahrungen gemacht und alle die Einrichtungengetroffen, ans welchen für alle Zukunft sein Leben beruhen sollte undes erscheint der spätere Verlauf seiner Entwicklung, von welchem alleineine durch Augenzeugen vermittelte Kunde sich fortgepflanzt hat, so langenicht ein ganz unmittelbares Eingreifen Gottes eintritt, als Inbegriffverhältnißmäßig kleiner, über das in seinen Hauptumrissen schon gegebeneGanze nur wenig hinausführender Bildungen. So hat ja auch dieNatur in den Perioden oder, mit dem biblischen Ansdrucke zu reden,Tagen ihrer Schöpfung die ungeheuersten Abstände zwischen ihren auf-einander folgenden Gestaltungen durchlaufen, bis der Zeitpunkt eintrat,wo die in sie gelegten Kräfte im Allgemeinen nur noch für ErhaltungdeS endlich Festgestellten verwendet zu werden anfingen und nur ganzvereinzelt und im kleinsten Maßstabe, wie in schwachem Nachzuckeu, Um-gestaltungen hervortraten.

3. Unzulänglicher sind die Mittel zur geographischen Bestimmungder Gegend, wo der Schauplatz des ersten Menschenlebens war und wo ^der Mensch in einem kurze Zeit dauernden Frieden die ihm von Gottgeschenkten Schätze der Natur ohne Kampf in Fülle genoß. Auf dasinnere Asien als Ursitz des Menschengeschlechtes weist der ganze Gangmenschlicher Bildung zurück. Dorthin läßt sich bei vielen Völkern derLauf ihrer Wanderungen an der Hand der über sie theils durch sieselbst, theils durch andere gegebenen Nachrichten rückwärts verfolgen.Dort haben die Erzeugnisse der Natur, welche dem menschlichen Be-dürfnisse zu Hülfe kommen, ihre Heimath und dort sind am frühestendie Anstalten gegründet, durch die das in zunehmender Verbreitung derMenschen mehr und mehr erschwerte Leben Schutz und Regelung er-hielt. Dort finden sich auch die Sprachen, welche sich durch den Ver-gleich mit den übrigen als Bewahrerinnen der am weitesten in die Zeitder ungetheilten Menschheit zurückreichenden Bestandtheile der Rede aus-gewiesen haben. Zu näherer Bestimmung glaubte man durch Aufsuchungder Hausthiere und des Getreides zu gelangen nnd indem man dieseErzeugnisse der Natur, durch deren Besitz eine der frühesten Gestaltungendes menschlichen Lebens müsse bestimmt worden sein, bis dahin, wo siesich wild vorfinden, verfolgte, ergab sich eine Wahrscheinlichkeit für dasvon dem Behüt, einem Zuflusse des Indus, bewässerte Thal Kaschmir.Sollte das Paradies, wie die Uebersetzung der Siebenzig nach denParken der persischen Könige den Garten in Eden genannt hat, hiergelegen haben, so würden die vier von dem Garten ausgehenden Flüsseunter den Quellflüssen des Indus und Orus zu suchen sein, von denen