62 Rede über der Leiche Dr. Martin Luthers,
ter denselben uns zum Epcmpel vorstcllen die hohen, vornehmstenrechtschaffenen Lehrer als unsre Vater, Häupter und Vorgänger,denen wir billig Nachfolgen, und ihnen gebührliche Ehre thunsollen.
Won dieser großen Sache sollen wir reden und gedenken, so oftdes ehrwürdigen Herrn Dc. Martin Luthers, unsecs lieben Vatersund Lehrers, gedacht wird, welchem obwohl viele gottlose Leutebitter und grimmig feind und gehässig gewesen, so sollen dochwir, die wir durch Gottes Gnade wissen, daß er ein hoher, vor-trefflicher und treuer Diener Christi und Prediger des Evangelistvon Gott sonderlich erwecket und uns gegeben ist, ihn lieben undloben, und bei uns selbst allerlei Zeugnisse zusammen suchen undbetrachten, welche beweisen, daß seine Lehre nicht sei ein unchrist-lich aufrührerisches Vorgeben aus eignem freveln Durste ausge-breitct, wie viele gottlose Epiknräer dafür halten und ausschceien.Und wiewohl man pflegt in solchen Neben, so man von den Ver-storbenen thut, Viel zu sagen von sonderlichen Tugenden Derer,die man loben soll, die sie in ihrem Leben an sich gehabt odererzeigt haben, so will ich doch jetzt davon zu reden anstehcn las-sen, und allein von diesem Vornehmsten sagen: nämlich von sei-nem Amt, so er in der Kicchenregierung geführt; denn fromme,gottessürchtige Herzen sollcn's gewiß dafür halten, so MartinusLuther seliger, die rechte, reine, nöthige und heilsame Lehre inder Kirche treulich gelehret und erkläret hat, daß Gott allezeitdafür hoch zu danken sei, daß er diesen Mann erwecket, unddaß seine Arbeit und Fleiß, Treue und Beständigkeit, so er inseinem Lehramte erzeiget, und andere Tugenden billig zu lobenund zu rühmen, und daß allen Gottesfücchtigen billig sein Ge-dächtniß lieb und werth sein solle.
So wollen wir nun an dem erstlich anfangen, wie St. Pau-lus spricht, Eph. 4., daß Gottes Sohn, Jesus Christus, ist indie Höhe gefahren, und sitzet zur Rechten Seines ewigen Vaters,und gibt den Menschen göttliche Gaben, nämlich die Lehre desEvangelii, und den heiligen Geist; und daß wir solcher Gabentheilhaftig werden, erwecket Er Propheten, Apostel, Lehrer undHirten, und nimmt dieselben aus dieser unsrer Versammlung,oder dem Häuflein Derer, die da Schüler sind, und die heiligeSchrift der heiligen Propheten und Apostel lesen, hören, liebenund treulich dabei bleiben. Und berufet oder erwecket zu dieserArbeit und Ritterschaft nicht allein diejenigen, so in der ordent-lichen Obrigkeit und Regierung sind, sondern macht's oft also,