Druckschrift 
Barfüßele
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

kannst am Tag nicht mit mir reiten, und wir brauchenohnedies eins."

„Ich kann nicht schlafen, ich muß noch einen Briefnach Haldenbrunn schreiben; ich bin so fort und Hab'dochauch viel Gutes genossen da, und Hab' auch noch andreSachen anzugeben."

„Ja, mach' das, bis ich wieder komm'."

Johannes ging davon, und Amrei schaute ihm mitseltsamen Gedanken nach: da geht er und gehört doch zudir, und wie er so stolz geht! Ist es denn möglich, daßes wahr ist, er ist dein? Er schaut nicht mehr um,aber der Hund, der mit ihm geht; Amrei winkt ihmund lockt ihn, und richtig, da kommt er zurück gerannt.Sie ging ihm vor das Haus entgegen, und als er anihr hinauf sprang, sagte sie: „Ja, ja, schon gut, es istrecht von dir, daß du bei mir bleibst, daß ich nicht soallein bin; aber jetzt komm' herein, ich muß schreiben."

Sie schrieb einen großen Brief au den Schultheißin Haldenbrunn, dankte der ganzen Gemeinde für dieWohlthaten, die sie empfangen, und versprach: einstensein Kind aus dem Ort zu sich zu nehmen, wenn sie esmachen könne, und verpflichtete nochmals den Schultheiß,daß man der schwarzen Marann' ihr Gesangbuch unterden Kopf lege. Als sie den Brief zusiegelte, preßte sieihre Lippen dabei zusammen und sagte: „So, jetzt binich fertig mit dem was in Haldenbrunn noch lebt." Sicriß aber doch schnell den Brief wieder auf, denn sie hieltes für Pflicht, Johannes zu zeigen, was sie geschrie-ben. Dieser aber kam lange nicht, und Amrei erröthete,als die gesprächsame Wirthin sagte: „Ihr Mann hatwol auf dem Amt zu thun?" Daß Johannes zum