20. Im Familiengeleise.
Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt, sondern eineverhärtete Form derselben: die Sitte. Wie die Weltnun einmal geworden ist, verzeiht sie eher eine Verletzungder Sittlichkeit als eine Verletzung der Sitte. Wohl denZeiten und den Völkern, in denen Sitte und Sittlichkeitnoch Eins ist. Aller Kampf, der sich im Großen wieim Kleinen, im Allgemeinen wie im Einzelnen abspiclt,dreht sich darum, den Widerspruch dieser Beiden wiederaufzuheben und die erstarrte Form der Sitte wiederumfür die innere Sittlichkeit flüssig zu machen, das Geprägtenach seinem innern Werthgehalte neu zu bestimmen.
Auch hier in dieser kleinen Geschichte von Menschen,die dem großen Weltgewirre abseits liegen, spiegelt sichdas wiederum ab.
Die Mutter, die innerlich am meisten sich freute mitder glücklichen Erfüllung, war doch wieder voll eigenthüm-licher Besorgniß wegen der Weltmeinung. „Ihr habt'sdoch leichtsinnig gemacht," klagte sie zu Amrei, „daß duso ins Haus gekommen bist und daß man dich nicht ab-holen kann zur Hochzeit. Das ist halt nicht schön und istnicht der Brauch. Wenn ich dich nur noch fortschickenkönnte auf einige Zeit oder auch den Johannes, daß Alles