7. Die barmherzige Schwester.
Das war nun ein volles Leben im Hause des Rodel-bauern. Barfüßele, so hieß man nun fortan Amrei,war anstellig zu Allem und wußte sich gleich bei Allenbeliebt zu machen; sie wußte der jungen Bäuerin, diefremd ins Dorf und ins Haus gekommen war, zu sagen,was hier der Brauch sei, sie lehrte sie die Eigenschaftenihrer nächsten Angehörigen kennen und sich danach richten,und dem alten Rodelbauer, der den ganzen Tag trotzteund sich nicht befriedigen konnte, weil er sich so frühezur Ruhe begeben, wußte sic allerlei Gefälligkeiten zu er-weisen und ihm zu erzählen, wie gar gut die Söhnerinsei, und es nur nicht von sich zu geben wisse; und alsin der That kaum nach einem Jahre das erste Kind kam,zeigte sich Amrei darüber so glücklich und in allen Er-fordernissen so geschickt, daß Jedes im Hause ihres Lobesvoll war; aber nach Art dieser Leute so voll, daß mansie bei dem kleinsten Ungeschick, eher dafür zankte, alsdaß man sie je in der That lobte.
Aber Amrei wartete auch nicht darauf, und nament-lich dem Großvater wußte sie das erste Enkelchen immerso gut zuzutragen und zur geschickten Zeit wieder zu ent-ziehen, daß man seine Freude daran haben mußte. Beim
Auerbach. Barfüßele. 6