192
dann schüttelte er den Kopf, wie wenn er sagen wollte:es ist hart, ich kann leider Gottes nicht reden.
Jetzt ging Barfüßele hinein in die Kammer und sangdie Kinder, die schon lange schliefen, noch einmal ein mitallerlei Liedern, aber den Walzer, den sie einst mit Jo-hannes getanzt, sang sic am meisten. Johannes horchtewie verwirrt darauf hin und schien abwesend in seinenReden. Nosel ging in die Kammer und hieß Barfüßeleschweigen.
Noch spät in der Nacht, als Barfüßele eben für dieschwarze Marann' Wasser geholt hatte und mit dem vollenKübel ans dem Kopfe nach dem Elternhause ging, begeg-nete ihr eben Johannes, der sich nach dem Wirthshausebegab. Mit gepreßter Stimme sagte sie: „Guten Abend!"
„Ei, du bist's?" sagte Johannes, „wohin denn nochmit dem Wasser?"
„Zu der schwarzen Marann'."
„Wer ist denn das?"
„Eine arme bettlägerige Frau."
„Die Nosel hat mir ja gesagt, es gebe hier keineArmen?"
„O, lieber Gott, mehr als genug; aber die Noselhat's gewiß nur gesagt, weil sie meint, es wäre eineSchande für das Dorf. Gutmüthig ist sie, das könntIhr mir glauben, sie schenkt gern weg."
„Du bist eine gute Vertheidigerin, aber bleib' nichtstehen mit dem schweren Kübel. Darf ich mit dir gehen?"
„Warum nicht?"
„Du hast Recht, du gehst einen guten Weg und dabist du behütet und vor mir brauchst du dich gar nichtzu fürchten."