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Barfüßele
Seite
172
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Natürlich, daß du zuerst drauf siehst, wie sie zu Elteru undGeschwistern steht; du bist ja selber ein gutes Kind, dabrauch' ich dir nichts zu sagen. Das vierte Gebot kennst du."

Ja, Mutter, da seid ruhig und da habe ich meinbesonderes Merkzeichen: die viel Wesens von der Elternliebemachen, da ist's nichts; das zeigt sich am besten wie manthnt; und wer viel davon schwätzt, ist müd und matt,wenn's an's Thun geht."

Du bist ja gescheit," sagte die Mutter in spöttischerGlückseligkeit, legte die Hand auf die Brust und schautezu ihrem Sohne auf:Soll ich dir noch mehr sagen?"

Ja, ich hör' Euch immer gern."

Mir ist, wie wenn ich heut' zum erstenmale so rechtmit dir reden könnte, und wenn ich sterbe, so habe ichnichts mehr hinter mir was ich vergessen habe. Dasvierte Gebot! ja, da fällt mir ein was mein Vater ein-mal gesagt hat. O, der hat Alles verstanden und vielin Schriften gelesen und ich habe einmal zugehört wie erzum Pfarrer, der oft bei ihm war, gesagt hat: Ich weißden Grund warum beim vierten Gebot allein eine Beloh-nung ansgesetzt ist, und man meint doch da wäre cs gradam unnöthigstcn, denn das ist ja das natürlichste, aberes heißt: Ehre Vater und Mutter damit du lange le-best! . . damit ist nicht gemeint, daß ein braves Kindsiebzig oder achtzig Jahr alt wird; nein, wer Vater undMutter ehrt, lebt lange, aber rückwärts. Er hat dasLeben von seinen Eltern in sich, in der Erinnerung, inGedanken, und das kann ihm nicht genommen werdenund er lebt lange ans Erden wie alt er auch sei. Undwer Vater und Mutter nicht ehrt, der ist erst heut aufdie Welt gekommen und morgen nicht mehr da."