Druckschrift 
Barfüßele
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

171

was einbildet und sie thut doch Alles nur halb und hatkeine Ruhe im Gemnth."

Ja, Mutter, das machet Ihr mir zu schwer; eineLotterie ist und bleibt es immer."

Ja, ja, du brauchst auch nicht Alles zu behalten,was ich mein', nur so obenhin, wenn dir's nachher vor-kommt, wirst schon finden, wie ich's gemeint habe, unddann paß auf: ob sic gut beim Arbeiten redet, ob sieetwas in die Hand nimmt, wenn sie mit dir spricht, undnicht allemal still hält, wenn sie ein Wort sagt, undnicht eine Scheinarbeit thut. Ich sage dir, Arbeitsamkeitist bei einer Frau Alles. Meiner Mutter Red' ist im-mer gewesen: ein Mädchen darf nie mit leeren Händengehen und muß über drei Zäune springen, um ein Feder-chcn aufzulesen. Und dabei muß sie doch beim Schaffenruhig und stetig sein, nicht so um sich rasen und aufbe-gehreu, als wolle sie jetzt grad' ein Stück von der Weltherunter reißen. Und wenn sie dir Red' und Antwortgibt, merk' auf, ob sie nicht zu blöd' und nicht zu keckist. Du glaubst gar nicht, die Mädchen sind ganz anders,wenn sie einen Mannshut sehen, als wenn sie unter sichsind, und die wo immer gar so thun, als ob sie beijedem sagen wollten: friß mich nicht! das sind die schlimm-sten, aber die so ein gewetztes Mundstück haben und diemeinen, wenn Jemand in der Stube sei, dürfe das Maulgar nicht still stehen, die sind noch ärger."

Der Bursche lachte und sagte:Mutter, Ihr sollteteinmal predigen gehen in der Welt herum und Kirchehalten für die Mädchen allein."

Ja, das könnte ich auch," sagte die Mutter eben»falls lachend,aber ich bringe das Letzte zuerst vor.