119
Du dazu, daß du zu so einer Hochzeit gehst?" fragte siesich und sie wäre am liebsten wieder heimgekehrt. Sieging durch das Dorf aus und ein, dort an dem schönenHause vorbei, das für den Brost erbaut worden war undworin auch heute viel Leben sich zeigte, denn die Ober-bauräthiu hielt mit ihren Söhnen und Töchtern hier ihreSommerfrische. Barfüßele ging wieder das Dorf hineinund schaute sich nicht um und doch wünschte sic, daß Je-mand sie anrufe, damit sie sich zu ihm geselle.
Am Ende des Dorfes begegnete ihr ein schmuckerReiter auf einem Schimmel, der das Dorf hcreinritt. Ertrug eine fremde Bauerntracht und sah stolz drein; jetzthielt er an, stemmte die Rechte mit der Reitgerte indie Seite, mit der Linken klatschte er den Hals seinesPferdes und sagte: „Guten Morgen, schönes Jungferle!Schon müde vom Tanz?"
„Für unnöthige Fragen bin ich schon müde," lautetedie Antwort.
Der Reiter ritt davon und Barfüßele saß lange Zeithinter einer Haselhecke und mußte Allerlei in sich hincin-denkcn und ihre Wangen glühten von einer Nöthe, dieder Zorn über sich selbst, über die spitze Antwort aufeine harmlose Frage, die Betroffenheit und ein unbegreif-liches inneres Wogen anfachte und unwillkürlich drängtesich ihr das Lied auf die Lippen:
„Es waren zwei Liebchen im Allgäu,
Die hatten einander so lieb."
So zu Jubel gespannt hatte sie den Tag begonnenund jetzt wünschte sie sich den Tod. „Hier hinter derHecke einschlafen und nicht mehr sein, o wie herrlich wäre