Druckschrift 
Barfüßele
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118

fuhr, so schämte es sich. Nur beim Elteruhause wogtees aufzublicken: die schwarze Marann' grüßte heraus, derrothe Gockelhahu krähte auf der Holzbeige und der Vogel-beerbaum nickte: „Glück auf den Weg!"

Jetzt fuhr man durch das Thal wo der Mauz dieSteine klopfte, jetzt über den Holderwasen, wo eine alteFrau die Gänse hütete. Barfüßele nickte ihr freundlich.Ach Gott, wie komm' denn ich dazu, daß ich hier sostolz und geschmückt vorbeifahre, und ist's denn nicht einegute Stunde bis Endringen und man meint doch, man wärekaum eingesessen und jetzt heißt's schon: absteigen! unddie Rosel ist schon begrüßt und umstanden von allerleiGefreundeten und: „ist das eine Schwester deiner Schwä-gerin, die du da bei dir hast?" heißt es vielfach.

„Nein, cs ist nur unsere Magd," antwortet Rosel.Mehrere Bettler aus Holdenbrunn die hier waren, be-trachteten Barfüßele staunend, sie kannten sie offenbarnicht und erst als sie sie lange angesehen hatten riefensie: „Ei, das ist ja das Barfüßele."

„Das ist nur unsere Magd." Dieses Wörtchen „nur"war Barfüßele tief in's Herz gedrungen, aber sie faßtesich schnell und lächelte, denn in ihr sprach cs: „Laß dirnicht von einem Wörtchen deine Freude verderben. Wenndu das anfängst, da trittst du überall auf Dornen." DieRosel nahm Barfüßele bei Seite und sagte:

„Geh du nur einstweilen auf den Tanzboden, oderanderswohin wenn du sonst Bekannte im Ort hast. Beider Musik sehe ich dich hernach schon wieder."

Ja, da stand Barfüßele wie verlassen und sie kamsich vor als hätte sie ihre Kleider gestohlen und gehöregar nicht daher, sie war ein Eindringling. „Wie kommst