104
abkaufte, alsbald Zuschnitt und in der Nacht vernähte,alle diese gesetzten, festen Vorbereitungen machten Damifast zittern. Er hatte freilich gethan, als ob der Aus-wanderungsplan bei ihm unerschütterlich fest sei, und dochkam er sich jetzt wie gebunden, wie gezwungen vor, alsob er durch den festen Willen der Schwester zur Aus-führung gedrängt würde. Ja, die Schwester erschien ihmfast hartherzig, als ob sie ihn fortdränge, ihn los seinwolle. Er wagte jedoch nicht, dieß deutlich zu sagen, erwußte nur allerlei Quengeleien vorzubringen, und Bar-füßele deutete diese als das verdeckte Wehe des Abschieds,das kleine Hindernisse gern als die Nöthigung davon ab-zulasscn annimmt, um nur sich wieder abbringen zu lassen.Sie machte sich nun vor Allem an den alten Rodelbauerund verlangte geradezu, daß er ihr das Erbstück, welcheser schon lange versprochen, jetzt gebe.
Der alte Rodelbauer sagte: „Was pressirst du so?Kannst nicht warten? Was hast?''
„Nichts Hab' ich und ich kann nicht warten." Sie er-zählte, daß sie ihren Bruder aussteuern wolle, der nachAmerika auswandere. Das war ein glücklicher Griff fürden alten Rodelbauer; er konnte seine Zähigkeit noch alsGutmüthigkeit, als weise Fürsorge hinstellen, und bedeu-tete Barfüßele, daß er ihr jetzt keinen rothen Heller gäbe,er wolle nicht schuld sein, daß sie sich ganz ausziehe fürihren Bruder. Nun bat Barfüßele, daß er der Fürsprechsei beim Scheckennarren; dazu ließ er sich endlich herbei,und that groß damit, daß er sich zum Betteln hergebebei einem fremden Mann für einen fremden Menschen;aber er verschob die Ausführung von Tag zu Tag, underst als Barfüßele nicht abließ, machte er sich endlich auf