Der junge Rodelbaner kam mit seiner Frau und fragtedas Kind neckisch: „Hast du uns auch ein Hochzritgeschenkgebracht? Wenn man so ißt, muß man auch ein Hoch-zeitgeschenk bringen."
Der Hochzeitsvater steckte in unbegreiflicher Großmuthdem Kinde bei dieser Frage heimlich einen Sechsbätzner zu.Amrei aber behielt den Sechsbätzner fest in der Hand,nickte gegen den Alten und sagte dann dem jungen Paare:„Ich Hab' das Wort und ein Drangeld. Eure Mutterselig hat mir immer versprochen, daß ich bei ihr dienenund Niemand undcrs als ich Kindsmagd bei ihrem erstenEnkelchen sein soll."
„Ja, das hat die Bäuerin selig immer gewollt,"sagte der Alte und redete zu. Was er ans Furcht, daßer die Waise dann versorgen müßte, seiner Frau ihrLebenlang versagt hatte, das that er jetzt, wo er ihrkeine Freude mehr damit machen konnte, und gab sichvor den Leuten den Anschein, als ob er's zu ihrem Ge-denken thue. Aber er that's auch jetzt noch nicht ausGüte, sondern in der richtigen Berechnung, daß die Waiseihm, dementthronten Bauer, der ihr Pfleger war, dienst-gefällig sein werde und die Last ihrer Versorgung, die diebloße Ablehnung überstieg, fiel Anderen zu, nicht ihm selber.
Die jungen Brautleute sahen einander an, und derjunge Rodelbauer sagte: „Bring' morgen dein Bündel inunser Haus. Du kannst bei uns einstehen."
„Gut," sagte Amrei, „morgen bring' ich mein Bündel;aber jetzt möcht' ich mein Bündel mitnehmen. Gebetmir da ein Fläschchen Wein und das Fleisch will ich ein-wickeln und es der Marann' und meinem Dann bringen."
Man willfahrte Amrei, aber der alte Rodelbaner