72
nicht gewesen, und jetzt bist du da. Und ich lasse dich nichtmehr von der Hand bis sie kalt ist. O Amrci, und meinJohannes muß warten bis du groß List, ich sag' weiternichts.' Warum red'st du nichts?"
Amrei war die Kehle wie zngeschnürt. Es war ihrimmer als ob der Todte dastünde, gespensterhaft; aufihren Lippen ruhte» das Geheimniß und sie konnte esanrnfen und die Decke siel ein und Alles war begraben.
Manchmal aber war die Marann' auch gesprächsamin anderer Weise, obgleich Alles auf dem einen Grunderuhte, ans dem Andenken an ihren Sohn. Und schwerstellte sich hier die Frage der Weltordnung heraus: „Wa-rum hier ein Kind todt, auf das die Mutter wartet, sozitternd, mit ganzer Seele wartet, und ich und meinDann wir sind verlorene Kinder, möchten so gerne dieHand der Mutter fassen und diese Hand ist Staub ge-worden?" . . .
Das war ein dumpfes nächtiges Gebiet, wohin dasDenken des armen Kindes getrieben wurde und es wußtesich nicht anders aus dem Wirrsal zu helfen, als indemes leise das Einmaleins vor sich hin sagte.
Besonders an Samstagabenden erzählte die schwarzeMarann' gern. Nach altem Aberglauben spann sic amSamstagabend nie, da strickte sie immer, und wenn sieeine Geschichte zu erzählen hatte, wickelte sie zuerst ein gutTheil von ihrem Garnknäuel ab, um nicht anfgehaltcn zusein und dann erzählte sie am Faden fort ohne Unterbrechung.
„O Kind," schloß sic dann oft: „Merk dir etwas,in dir steckt ja auch ein Einsiedel: wer gut grad fortleben will, der sollte ganz allein sein, Niemand gernhaben und von Niemand was mögen. Weißt du, wer