Druckschrift 
Barfüßele
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

Sie machte sich Vorwürfe darüber und sagte: sie sei eineschlechte Mutter und klagte, es sei ihr immer, als wennihr die Züge ihres Johannes nach und nach verschwinden,als ob sie vergesse, was er da und da gethan habe, wieer gelacht, gesungen und geweint und wie er auf denBaum geklettert und in den Graben gesprungen sei.

Es wäre doch schrecklich," sagte» sie,wenn einemdas nach und nach so verschwinden könnte, daß mannichts Rechtes mehr davon weiß," und sie erzählte dannAmrei mit sichtlichem Zwange Alles bis aufs Kleinsteund Amrei war es tief unheimlich, so immer und immerwieder von einem Todten hören zu müssen, als ob er nochlebte. Und wieder klagte die Marann':Es ist dochsüudlich, daß ich gar nicht mehr weinen kann um meinenJohannes. Ich habe einmal gehört, daß man um einenVerlorenen weinen kann so lang er lebt und bis er ver-fault ist. Ist er wieder zu Erde geworden, so hört auchdas Weinen auf. Nein, das kann nicht sein, das darfnicht sein, mein Johannes kann nicht todt sein; das darfstdu mir nicht anthun, du dort oben, oder ich werf' dir denBettel vor die Thüre. Da, da, vor meiner Thüre, dasitzt der, Tod, da ist der Weiher und da kann ich michersäufen wie einen blinden Hund, und das geschieht, wenndu mir das anthust; aber nein, verzeih mir's guter Gott,daß ich so wider die Wand renne, aber mach' da einmaleine Thür auf, mach' auf und laß meinen Johannes her-cinkommen. O die Freud! Komm, da setz dich her, Jo-hannes. Erzähl' mir gar nichts, ich will gar nichts wis-sen, du bist da, und jetzt ist's gut. Die langen langenJahre sind nur eine Minute gewesen. Was geht's mich an,wo du gewandert bist? Wo du gewesen bist, da bin ich