Druckschrift 
Barfüßele
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

nicht dumm," denn Amrei hatte nach einem langen Gei-genspiel bemerkt:ES ist doch wunderlich, wie so eineGeige den Athem so lange anhalten kann; das kann ichnicht." Und wenn daheim in stillen Winteruächten dieschwarze Marann' funkelnde und schaucrerregcnde Zauber-geschichten erzählte, da sagte Amrei mehrmals tief aufath-mend wenn sie zu Ende waren:O Marann', ich mußjetzt Athem schöpfen, ich Hab', so laug Ihr gesprochen habt,den Athem anhalten müssen."

War das nicht ein Zeichen tiefer Hingebung an alleVorkommnisse, und doch wieder ein Merkmal freier Be-obachtung derselben und besonders des eigenen Verhal-tens dabei?

Das Beste ist aber, daß auf die Kinder elementarischeKräfte einwirken, die nicht fragen: was wird darauswerden?

Niemand achtete sehr auf Amrei, und diese konnteträumen, wie es ihr in den Sinn kam und nur der Lehrersagte einmal in der Gcmeinderathssitzung: solch ein Kindsei ihm noch nicht oorgekommen; es sei trotzig und nach-giebig, träumerisch und wachsam, und in der That bil-dete sich schon früh bei allem kindischen Selbstvergessenein Gefühl der Selbstverantwortlichkeit, eine Wehrhaftig-keit im Gegensätze zur Welt, ihrer Güte und Bosheit inder kleinen Amrei aus; während Dami bei allen kleinenAnlässen weinend zur Schwester kam und ihr klagte. Erhatte immer Mitleid mit sich selber, und wenn er inNaufhändeln von Spielgenossen niedergeworfen wurde,klagte er:Ja, weil ich ein Waisenkind bin, schlagen siemich. O wenn das mein Vater, meine Mutter wüßte!"und dann weinte er doppelt über die erfahrne Unbill. Dami