kaum hatte Severin den Rücken gewendet, als es ihmhalblaut nachrief: „Ich nehm' nichts geschenkt," und ihmdabei den Dukaten nachschleudcrte. Viele die das gesehenhatten, kamen auf Amrei zu und schimpften auf sie hineinund eben als sie daran waren, sie zu mißhandeln, wurdesie wiederum von der Nodelbäuerin, die sie schon einmalmit Worten beschützt hatte, von den rohen Händen ge-rettet. Auch sie verlangte indeß, daß Amrei wenigstensSeverin Nacheile und ihm danke; doch Amrei gab auf kei-nerlei Rede eine Antwort; sie blieb starr, so daß auchihre Beschützerin von ihr abließ. Nur mit großer Mühefand man den Dukaten wieder und ein Gemeinderath,der zugegen war, nahm ihn sogleich in Verwahrung, umihn dem Pfleger der Kinder zu übergeben.
Dieses Ereigniß brachte der kleinen Amrei einen selt-samen Ruf im Dorfe. Man sagte, sie sei doch erst we-nige Tage bei der schwarzen Marann' und habe schonganz deren Art und Weise. Man fand es unerhört, daßein Kind aus solcher Armuthei einen solchen Stolz habenkönne, und indem man ihr diesen Stolz auf allen Wegenund Stegen vorwarf, ward sic dessen erst recht inne, undin der jungen Kinderseele regte sich ein Trotz, ihn nurdesto mehr zu bewahren. Die schwarze Marann' that auchdas Ihrige um solche Stimmung zu befestigen, denn siesagte: „Es kann einem Armen kein größeres Glück ge-schehen, als wenn man es für stolz hält; dadurch ist manbewahrt, daß Jedes auf einem herumtrampelt und nochverlangt, daß man sich dafür bedanke."
Im Winter war Amrei sehr viel bei dem Krappen-zacher und hörte ihn besonders gern geigen. Ja derKrappenzacher sagte ihr einmal das große Lob: „Du bist