Druckschrift 
3 (1799)
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

öder geringern Mißbilligung zu liegen, welche die Lüsterdes Leichtsinnes, die, welche aus zu großem Glücke, ausdem Uebermaße von Fröhlichkeit und sinnlichen Genüssenherrühren, erregen. In dem System der nachgiebigenMoral, oder der Moral der Vornehmen wird Ueppig-keit, leichtsinniger und selbst unsittlicher Scherz, der biszu einiger Unmäßigkeit getriebene Genuß des Vergnü-gens, die Verletzung der Keuschheit, wenigstens bey demmännlichen Geschlechte,- wenn nur nicht der guteA«^stand dabey auf eine grobe Art beleidiget wird, oderFalschheit und Ungerechtigkeit damit vergesellschaftetist, mit einem hohen Grade von Nachsicht behandelt,leichtlich entschuldigt, oder auch völlig vergeben. Nachder strengern Moral hingegen, werden alle diese Aus-schweifungen mit dem äußersten Abscheu angesehen.Dieser Unterschied in der Beurtheilung ist nicht ohne al-len Grund. Die Laster des Leichtsinnes sind für die nie-drigern Volksklassen immer verderblich; uad eine einzi-ge Woche, gedankenlos und in Zerstreuungen zugebracht,kann einen armen Arbeusmann auf immer zu Grundsrichten, und ihn aus Berzweisiung zur Begehung derabscheulichsten Verbrechen verleiten. Der weisere undbessere Theil des gemeinen Volks haßt und verabscheuetdaher diese Ausschweifungen aufs äußerste, weil er ausErfahrung weiß, daß sie so vielen Leuten seines Standesverderblich gewesen sind. Ein Mann vom Stande hin-gegen wird oft durch die Ausschweifungen vieler Jahrenicht gänzlich zu Grunde gerichtet; und die ganze höhereKlasse ist also sehr geneigt, es als das Vorrecht ihresRanges und ihrer Glücksumstände anzusehen, daß stesich einen gewissen Grad von Unmäßigkeit im Genussedes Wohllebens und der Sinnlichkeit erlauben, und doch

M z kei-