Druckschrift 
3 (1799)
Entstehung
Seite
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keinen großen Tadel darüber befürchten darf. Sie istdaher auch sehr nachsichtig gegen Fehler der Art, wennsie von Personen, die zu ihr gehören, begangen werden,und bel- gt sie mit einem sehr leichten Tadel, oder radeltsie gar nicht.

Fast alle Religionssecten haben unter den gemeinenVolksklaffen ihren Anfang genommen, aus we chen sieimmer :hre ersten, so wie ihre zahlreichsten Prost lyren ge-zogen haben. Alle haben also auch bey ihrer Entstehungdas System der strengen Moral angenommen. (Wennes Ausnahmen hrervon gegeben hat: so sind sie doch sehrselten gewesen.) Durch dieses System konnren sie sicham besten bey derjenigen Klasse des Volks empfehlen,der sie ihren Resormarionsplan zuerst vorlegten. Vielevon ihnen, vielleicht die meisten haben eben dadurch Cre-dit zu'erhalten gesucht, daß sie die Strenge der gemeinenVolksmoral noch höher, vielleicht bis zur Thorheitund Ungereimtheit trieben; und es gelang ihnen auchnicht selten durch tiefe ausschweifende Strenge, die Ach-tung und das Vertrauen des gemeinen Mannes mehr,als durch irgend etwas anders zu gewinnen.

Ein Mann von Stande und Vermögen ist, vermö-ge seiner Lage in der bürgerlichen Gesellschaft, ein bedeu-tendes Glied derselben; seine ganze Aufführung wird vonihr beobachtet, und er wird eben dadurch genöthigt, selbstauf seine Aufführung Acht zu geben. Sein AnsehenUnd sei» Glück hangt sehr von dem Urtheile ab, welches^>ie Gesellschaft über ihn fällt. Er wagt es also nicht,irgend etwas zu thun, was ihn in den Augen der Weltentehren, oder ihm allgemeinen Tadel zuziehen könnte,und er ist zu einer genauen Beobachtung derjenigen stren-

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