Druckschrift 
3 (1799)
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

i75

als insbesondere die Fähigkeit, die Gemüther des Volkszu regieren, muß durch die täglich sich vermehrende Ue-buug sehr zunehmen."

Indeß, wenn man die Sachen naher untersucht,so findet man, daß dieser auf Eigennutz gegründete Ei-fer der Geistlichkeit gerade dasjenige ist , was jederweise Gesetzgeber aufs möglichste verhüten muß: weiler jede andere Religion, außer der wahren, durchauszu verderben, aber auch selbst in diese eine starke Mi-schung von Thorheit und Aberglauben zu bringen imGrande ist. Jeder solcher geistliche Practiker wird, umsich selbst seinen Anhängern theurer, und in den Augenderselben geheiligter zu machen, sie mit dem größtenAbscheue gegen alle andere Secten erfüllen, und durchimmer neue Erfindungen die ermattende Andacht seinerZuhörer zu beleben suchen. Auf Wahrheit, Schick-lichkeit und Anstand wird er in seinen Vortragen wenigRücksicht nehmen; und jeder Glaubensartikel wird umdesto begieriger von ihm in sein System aufgenommenwerden, je besser er mit den Schwachen oder den Lei-denschaften der menschlichen Natur übereinstimmt. Injedem neuen Conventikel wird man, um sich Kundenzuzuziehen, mit erhöheter Kunst und Emsigkeit auf dieLeichtgläubigkeit des Pöbels zu wirken suchen. Undam Ende wird die bürgerliche Obrigkeit finden, daß siedas Ersparniß sehr theuer bezahlt hat, welches sie zumachen glaubte, als sie den Priestern einen stehendenGehalt versagte. Sie wird finden, daß in der Thatder anständigste und vortheilhafteste Handel, den siemit diesen geistlichen Führern schließen kann, der ist,durch ausgesetzte feste Besoldungen ihre Lauigkeit in ih*

rem