Druckschrift 
3 (1799)
Entstehung
Seite
172
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In der römischen Kirche, wird der Eifer und Fleißder niedern Geistlichkeit durch die mächtigen BewegungS«gründe des Eigennutzes, mehr als vielleicht in irgendeiner protestantischen Landeskirche, aufrecht erhalten.Die Weltgeistlichen, welche Pfarreyen haben, erhalteneinen sehr beträchtlichen Theil ihrer Einkünfte von denfreywllligen Opfern ihrer Pfarrkinder. Um diese Quelledes Einkommens ergiebiger zu machen, giebt ihnen dasSacrament der Ohrenbeichte mannigfaltige Gelegenheit.Die Bettelorden erwarten ihren Unterhalt einzig und al-lein von solchen Opfern. Sie besinden sich in der Lage,wie die Husaren und leichte Infanterie bey gewissenKriegsherren: wenn sie keine Beute machen, so habensie auch keinen Sold. Die Pfarrer sind denjenigenSchul- und Universitätslehrern ähnlich, die zum Theilvon festen Besoldungen, zum Theil von dem Ehrenlohneleben, den ihnen ihre Schüler und Zuhörer bezahlen:einem Lohne, der immer mehr oder weniger von ihremFleiße und ihrem Rufe abhängt. Die Bettelmönchesind den Lehrern ähnlich, welche ganz allein von ihrenSchülern bezahlt werden. Sie sind also zur Anwen-düng jedes Mittels genöthigt, welches das Feuer derAndacht bey dem gemeinen Manne anfachen kann.Macchiavell merkt an, daß die beyden großen Bettel-orden, der . Franziskaner und Dominikaner, im drey.zehnten und vierzehnten Jahrhunderte, den schwach wer-denden Glauben und die erkaltete Andacht der katholi-schen Kirche wieder belebten und erwärmten. In derThat sind es in katholischen Landern die Mönche und dieärmern Pfarrer, welche die Volksandachc fast ganz al-lein unterhalten. Die Prälaten und die übrige hoheGeistlichkeit, wenn sie gleich diejenige Ausbildung des

Geistes