dienst? vorgelesen wurde. Nach dem Einfalle der ro-Heu deutschen Völkerschaften, welche das römischeReich zerstückelten, hörte die lateinische Sprache nachund nach aus, die Sprache irgend eines europäischenLandes zu seyn. Aber die Verehrung der Menschenerhält natürlicher Weise religiöse Gebrauche und For-men dos Gottesdienstes noch lange Zeit, nachdem dieUmstände aufgehört haben, um derentwillen sie zuerstwaren eingeführt worden, und durch die sie allein ver-nünftig wurden. Ob also gleich das Latein dem größ-ten Theile des Volks nicht mehr verständlich war: sofuhr man doch fort, den Gottesdienst in dieser Spra-che zu halten. Auf diese Weise entstand in den euro-päischen Landern, fast wie in Aegypten, eine doppelteSprache; eine heilige für den Gottesdienst und diePriester, die zugleich die gelehrte war — und einegemeine für das Volk, und für die gewöhnlichen Ge-schäfte des Lebens. Nun ward es also nothwendig,daß die Geistlichen wenigstens etwas von dieser heiligenund gelehrten Sprache verstehen mußten; und das Stu-dium der lateinischen Sprache wurde also vom Anfan-ge der Universitäten an, ein wesentlicher Theil ihresUnterrichts.
Mit der griechischen und hebräischen Sprache hat-te es nicht gleiche Bewandniß. Der unfehlbare Aus-spruch der Kirche hatte die lateinische UeberseHung derBibel, welche man die Vulgata heißt, für ein ebenso unmittelbares Werk göttlicher Eingebung erklärt,als die griechischen und hebräischen Urschriften, undihr also eben das Ansehen beygelegt, welches diesen ge-bührt. Da also die Kenntniß dieser beyden Sprachen
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