IZO
Wenn in einer Lehranstalt der Lehrer oder Profes-sor, der jeden Studirenden in den verschiedenen Kün-sten und Wissenschaften zu unterrichten hat, nicht vondem Studirenden selbst freywillig gewählt, sondern vondem Vorsteher des Collegiums oder dem obersten Lehrerernannt würde; und wenn ein Student, im Fall seinLehrer saumselig, ungeschickt oder gegen ihn unhöflichwäre, ihn doch nicht ohne gesuchte und erhaltene Er-laubniß mit einem andern vertauschen dürfte: so würdeeine solche Einrichtung nicht nur die Nacheiserung unterden Lehrern eines und desselben Collegiums vernichten,sondern bey allen insgesammt einen großen Beweg ungs-grund des Fleißes und der auf das Beste ihrer Zöglin-ge zu wendenden Sorgfalt aufheben. Lehrer der Artkönnen, wenn sie auch von ihren Schülern bezahlt wer-den , eben so leicht in die Versuchung gerathen, diesel-ben zu vernachlässigen, als die, welche von einem ste-henden Gehalte leben , und gar keine Belohnung vonihren Zuhörern erwarten.
Ist der Lehrer ein Mann von Geist: so wird esihm selbst höchst zuwider seyn, bey seinen Vorlesungengewahr zu werden, daß er sinnloses Zeug sagt, odermittelmäßige und unverdauete Sachen vorbringt. Esmuß ihm allerdings ein unangenehmes Gefühl erregen,wenn der größte Theil seiner Zuhörer seine Vorlesungenverläßt, oder sie wenigstens mit den augenscheinlichstenMerkmahlen von Gleichgültigkeit, Unaufmerksamkeitund Verachtung anhört. Ist er daher genöthiget, einebestimmte Anzahl von Stunden zu lesen: so kann schondie Furcht vor dieser Unannehmlichkeit allein ihn antrei-ben, sich zu seinen Vorlesungen so vorzubereiten, daß
die-