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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
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120 Heinrich Äeine und Johann Hermann Detmold.

einzelne wenig bedeutende Auslassungen nötig machen. Frei-lich, es geschieht nicht mit dem gehobenen Gefühl, mit welchemman Schriftstücke veröffentlicht, die auf den Charakter unddie Tätigkeit eines vorzüglichen Mannes ein neues, erfreu-liches Licht werfen. Keines Briefe kann man im Verhält-nis zu seiner Persönlichkeit nur selten bedeutend nennen, undnoch seltener machen sie einen erfreulichen Eindruck; persön-liche Zänkereien, literarische Streitigkeiten, Klagen über wirk-liche oder vermeinte Verfolgungen, Geldangelegenheiten nehmeneine gar zu umfangreiche Stelle ein. Was der Freund desDichters nicht bloß der Literarhistoriker mit wirklicherBefriedigung liest, sind beinahe nur die Iugendbriefe undeiniges aus den letzten Iahren, während welcher eine unver-gleichliche Geisteskraft die Qualen der furchtbaren Krankheitüberwindet. Von Keines Briefen an Detmold gehören längstnicht alle unter die bevorzugte Zahl; aber die meisten setzenwesentliche Züge seines Charakters, entscheidende Ereignisseseines Lebens in ein deutlicheres Licht. Nicht immer in eingünstigeres Licht; aber sollen sie deshalb unterdrückt werden?Ich glaube nicht; denn große Dichter haben auch das mitden Königen gemein, daß sie in ihre Privatangelegenheiteneinen genaueren Einblick gestatten müssen, als man gewöhn-lichen Menschen zumuten darf.

Für den Empfänger sind diese Briefe in mancher Be-ziehung nicht weniger bezeichnend als für den, der sie ge-schrieben hat. Was vor allem auffällt, ist die fast unbe-dingte Anerkennung, welche Keine den Fähigkeiten des bei-nahe um zehn Jahre jüngeren Detmold zuteil werden läßt,er, der gewöhnlich, selbst berühmten Freunden gegenüber,sich im Lobe eher sparsam als freigebig zeigte. Aber derEindruck von Detmolds Persönlichkeit muH ein sehr bedeuten-der gewesen sein. Nirgendwo konnte man den kleinen Mannmit den scharf geschnittenen, geistvollen Zügen übersehen;darin stimmen Freunde und Gegner überein. Gewiß lohntees die Mühe, aus den Berichten von Zeitgenossen und einem