Anter Keines Jugendfreunden wird zuweilen ChristianSethe genannt. Die meisten wissen, daß die im Bucheder Lieder „an Christian S." überschriebenen Freskosonetteihm gewidmet wurden. Aus Keines Briefen an Immer-mann ergibt sich, daß das Verhältnis ein sehr inniges war'eingehendes ist darüber noch nicht mitgeteilt.
Der Name Sethe ist bekannt genug. Er gehört einerjener musterhaften Beamtenfamilien, die vor allem zu derGröße und inneren Kraft des preußischen Staates beige-tragen haben. Schon der Vater und der Großvater Christiausbekleideten ansehnliche Stellen in Cleve, in dem kleinen, abernicht unwichtigen Gebiete, das zuerst der preußischen Machtam linken Rheinufer als Stützpunkt diente. Christians Vater,Christoph Sethe, geboren am 25. April 1767, wurde schonals junger Mann Geheimrat bei der clevischen Regierung,in demselben Jahre 1794, in welchem Cleve mit dem ganzenlinken Rheinufer in die Gewalt der Franzosen fiel. Dieförmliche Abtretung verzögerte sich freilich bis zum Jahre1892; die clevische Regierung wurde dann aufgelöst, undSethe in die neue preußische Erwerbung nach Münster ver-setzt. Aber es war damals die Zeit, in welcher, wie Keineschreibt, die Farbe der Landkarten sich so oft veränderte,daß sie das Studium der Geographie sehr schwierig machte.Bis nach Westfalen drang die französische Invasion. In-folge des Tilsiter Friedens wurde das Land 1898 mit demneu errichteten Großherzogtum Berg, drei Jahre später un-mittelbar mit dem französischen Kaiserreich vereinigt. FürSethe bewirkte dieser Wechsel, daß er 1898 von Münster*)nach Düsseldorf berufen wurde. Kier war es, wo sein ältesterSohn mit Keine Freundschaft schloß.
Dieser Sohn Christian war noch in Cleve am 19. Juli1798 geboren, also ein halbes Jahr jünger als Keine, dessen
*) Über seinen Aufenthalt in Münster hat er handschriftlicheDenkwürdigkeiten hinterlassen, die Gustav Freytag für seine „Bilderans der deutschen Vergangenheit" (III, 375) benutzte.
Aus Seines Jugendzeit. Seine und Christian Sethe.