Schlichen diente nachmals am brandenburgischen H-se, ohne den Waffen zu ent-sagen, und ohne dem Vorgemache, dem Eßsaale, oder dem Müßiggänge alle seine Stun-den preiß zu geben, (i) Er gehört vielmehr zu den thätigsten, den nützlichsten, den beyfall-würdigsten Höflingen, die jemals Landesherren aufwarteten. Seine Gelehrsamkeit wirdsehr gelobt, und in welcher Maaße er die Gabe sich glücklich auszudrücken besessen habe,läßt sich daraus schliessen, daß die Welschlander ihn den wohlredenden Deutschen , dieDeutschen aber einen andern Demosthenes oder Cicero nannten; und eine wichtige Ge-legenheit, als ein vortreflicher Sprecher bewundert zu werden , gab ihm das Jahr izzzau die Hand»
Churfürst Joachim I war gestorben, sein Nachfolger Joachim II aber sandteSchlichen nach Rrakow, um dort ein königliches Fräulein, das wir jezt prinzcsimheißen, für ihn zum Gcmal zu begehren. Es war Hedewig, die Tochter des polnischenMonarchen Sigismunds. Der Vottschafter that die Anrede in lateinischer Sprache;anderthalb Stunden dauerte dieselbe. Ob ihre sänge nöthig war, das mag ein anderererörtern; sie krönten wenigstens Beyfall und Erfolg, der edelste Preis berühmter Rednerdes Alterthums, die sich auch nicht allemal der lieben Kürze beflissen ; und wenn ihnen
Schlie,
(i) Dieses Fehlers haben wir S. zzz erwähnt.
420 XIX. Von dem weyland pulsnitzischen,
Manche die Menschheit entehrende Wütriche beherrschten weyland die Ufer der Ty55er, als Nachfolger eines berühmten Weltbezwingers, oder eines unbekannten Fischers,kurz eines Cäsars und eines Peters ; aber Niemand von ihnen allen übertraf an Laster-haftigkeit das Ungeheuer, welches unter dem Namen des sechsten Alexanders den heiliggenannten Stuhl vom Jahr 1491 bis lZoz entwcihcte. Ob Schlichen noch den ab-scheulichen Hof dieses Bösewichcs , oder den der zween spätern Päpste, Julius !l oderLeo X, gesehn habe, wissen wir nicht, da uns die Gcburtszeit desselben unbekannt ist.Nur von dem Widerwillen, den er gegen die damalige Argheit Italiens faßte, hat sichdas Andenken erhalten; er konnte unter andern nie vergessen, daß man ihm einstmals fürein falsches Aeugniß Geld geboten, und sein Weigern als eine unerhörte Dummheit ver-spottet habe; gleichwol wußte derselbe unter den schlimmen Buben sich zum Guten zubilden.