Z80 XIV. Von den preussischen Aesten des märkischen St ammes,
Nicht allein traf Slivcn Verbindungen mit dem ganzen Orden, so n'oern er ließ sichauch mit einzelnen Pflegern desselben in besondere Vertrage ein; denn im Jahr 1456nahm ihn der Comthur von Osterrodc, Wilhelm von Eppingcn, vor eynen Hauptmannund Beschirmer uf (1).
Vorzügliche Fähigkeiten, in Rath wie in That, scheinen Slivcn vor andern brauch-bar gemacht zu haben. Schon der damalige Hochmeister, Ludewig von Arlichshausen,bediente sich seiner zu Unterhandlungen wie zum raufen. Dem Nitterfürstcn wurde derfremde Ritter bald unentbehrlich. Daß dieser gleichwol klüger war als gewissenhaft, läßtsich aus folgendem Umstände schliesset,.
Unter vier Biöthümern, die Preussen zahlte, war das von Armeland nicht daögeringste. Das Oberhaupt desselben und seine Domherren hielten es zwar anfänglich mitdem Orden, ihre Unterthauen aber hatten sich größtenteils zu den Mißvergnügten ge-schlagen» NurAllenstem behaupteten die Prälaten noch, und matt hatte ihnen ftyerlichversprochen, daß ihre eigene Besaßung darin gelassen werden sollte. Slivcn aber fanddas Schloß auf diese Art gegen feindliche Uebcrfalle zu schlecht gesichert, darum gewann eres mit List, und setzte sich selbst zumHauprmanne (VouveiiiLui-) desselben ein.
Alles, auch sogar der bischöfliche Schmuck, Krumstab, Infuln, Chorröcke, wur-den die Beute des fürchterlichen Söldners. Der bedrängte Hochmeister schwieg : diePrälaten schrien: der Eroberer spottete ihrer; als sie ihm aber seine Wortbrüchigkeit al«zulant vorwarfen, mißhandelte er deren einige, setzte andere gefangen, und eignete sich dieGüter aller zu. -- Fast durch das ganze Mittelalter war der Edelmann ein seltsamesGemische von Ruchlosigkeit und Andacht, von Frevel und Reue: ihm grauetc für demTeufel, aber er plünderte die Kirchendiener, welche sich dessen Bezwinger nannten, und inder Sterbstunde gab derselbe diesen oft mehr, als er während seinem ganzen Leben von ihnenerpreßt hatte.
Inzwischen eileten die beleidigten Prälaten, ein geistliches Ungewitter von Rom auSwider Slivcn zu erregen, und der vatikanische Bannstrahl fuhr auf den Sünder herab»
Dieser
(,) Siehe Beylage dlro. zS.