IX. Von dem abgestorbenen dresowschen Nebenzweige. H2Z
Anton Wilhelm
war anfänglich Kammerjunker am berliner Hofe in den letzten Lebensjahren des grossenChurfürsten Friedrich vpilhelms. Alter und Leibcsschwachheiten hatten nun der kriege-rischen Thätigkeit des Helden Einhalt gethan; Heere wie vormals selbst anzuführen, ver-gönnten sie ihm weiter nicht. Den jungen Edelleuten seines Hofs gieng hinfort die Gele-genheit ab, sich in den, gleichsam angestammten Handwerke als Aufwarter eines solchenFeldherrn zu üben; der Erbe desselben aber schien die Grösse, welche der Vater durch Tha-ten erlangt hatte, in leerem Prunke suchen zu wollen, und Schliessen fühlte sich unfähig,seine Tage wie der Mönch in vorgeschriebenen Anbätungen stets dahin zu jähnen.
Auf die Zeit der Rittcrschwärmerey und der Fehden, wahrend welcher noch kein Hofder Thatkraft und der Tauglichkeit entbehren konnte, war eine andere gefolgt, wo sichweichlicher Müjstggang oder geschäftiges Nichsthnn, auch in dem Pallaste mancher deut-schen Fürsten, an der Stelle der sonst dort herrschenden Wirksamkeit einfand. Zezt ste-hen wir den, Ansehn nach am Ende von diesem Zeitraume. Nichts destoweniger raubtben uns hin und wieder das Vorgemach und der Eßsaal, — wie das Chor und das Ne-fcctorium, — dem gemeinen Wesen auch dermalen noch brauchbare Bürger, welchen dieNatur herrliche Gaben verlieh, mit dem Kopfe oder mit der Faust sich selbst und demNächsten ersprießlicher zu seyn. Jünglinge von solchen Eigenschaften können schwerlichdergleichen Lebenslauf erwählen, ohne sich über ihren wahren Berns zu tauschen; die ang.esborne Fähigkeit derselben laust Gefahr, durch eine falsche Richtung, blos aufgenossenschastsliche Ranke oder Albernheiten geheftet, folglich unfruchtbar an achtem Beyfalle zu wer-den, und derTadel, dem der grosse Haufe von ihres Gleichen ausgesetzt zu seyn pflegt, be-droht auch sie» Allein Willkühr oder Zufall mögen dieselben in den einen oder den andernStand versetzt haben; es steht gleichwol bey ihnen, sich über das Laster der Zunft zn er-heben ; die Müsse der Höfe oder der Klöster entweder mit nützlichen Ncbcnverrichttmgenauszufüllen, oder sich wenigstens auf solche Kenntnissen zu legen, wodurch die Träger gol-dener aber unbrauchbarer Schlüssel, einem Nlomekukuli: die Barfüßer hingegen einemMnenes ähnlich werden können, Falls etwan das Schicksal auch sie zu hohen Kriegs-oderStaatsbedienten ausersehen haben sollte. Die Welt kennt Preiswürdige wie diese, wirmanche andere, welche ihr bekannt zu werden nicht minder verdienten, und wie dieselbensich auszubilden; nach dem eigenthümlichen Werthe der Monteknklili, der Timenes zutrachten, sey das Bestreben von Schliessens Angehörigen, die künstig irgendwo zu Höf-linge