IX. Von dem abgestorbenen dresowschen Nebenzweige. Z19
abzuhelfen, — den Wilden gereichte es zum Lobe, daß sie sich Muster wählten, um auSBarbaren genannten Rohlingen zu gesitteten Erdbewohnern zu werden, aber was demKnaben ansteht, verunstaltet den Mann. Wir haben uns zu lange in einer verkleinert!-chen Vormundschaft halten lassen, und die Gesellschaft, deren angeborne Mitglieder wirsind, hätte billig weit früher in unsern Augen schätzbarer als andern seyn sollen.
Vaterlandsstolz beruhet, wie Vaterlandsliebe, nicht allemal auf vestcn Grün-den; oft gleicht der eine dem Wahne deS Liebhabers, welcher seine in der That reizloseGebieterin für die schönste von allen hält: die andere der Anhänglichkeit eben desselben aneine Undankbare, die ihn mißhandelt. Allein wir Deutschen sind zu solchen: Gefühle sogut als die Genossen irgend eines andern Staats berechtigt, und auch als Vorurtheil be-trachtet, ist Vaterlandsstolz erspneslich, wenn er nicht blos ein silbst genügsamer Dün-kel bleibt, sondern das Verlangen erweckt des Vaterlandes würdig zu seyn. Es gehtdamit als wie mit dem Kriegerverdienste, beydes könnte man entrathcn, wenn wir alleEitclkeitfrey und friedliebend wären; weil hingegen der umgekehrte Fall eintritt, weil esleichter ist dem uns angeerbten Guten und Bösen eine nützliche Richtung zu geben , alsuns zu lauter Weisen umzuschaffen: so wird es dienlich seyn, daß ein jedes Volk auf Va-terlandsstolz, wie auf Rriegerverdienst, halte, es möge nach Uebcrlegenhcit strebe»oder nur vermeiden wollen, nicht unter die Gleichheit hinab zu schwinden.
Laßt uns minder untersuchen, ob der Vaterlandsstolz des Franzosen, des Vritten,des Spaniers u. s. w. rechtmäßig sey: minder spötteln, wenn wir zu viel Eigenliebe da-bey wahrnehmen, als Acht haben den unsrigcn vernünftig zu nähren, hauptsächlich ihmGrund zu verschaffen» Laßt uns hinfort daran arbeiten, daß der Fremde iu keinen we-sentlichen Dingen einen Vorzug gewinne: hingegen vermeiden, in gleichgültigen Aus-länder scheinen zu wollen. Wetteifer trägt Beyfall zum Preise davon; neue Wege kön-nen ihn zur Ucbertrcffung leiten; aber der knechtischen Nachahmung folgt Hohn auf demFusse, und die höchste Stufe, wohin sie zu gelangen vermag, ist eine demüthigeude Mit-telmäßigkeit»
Diese war es gleichwol, wornach unseren vaterländischen Undeutschen so herzlich ver-langte, und der grosse Haufen von ihnen blieb noch dazu diesseits derselben stehen. Glück-licherweise beginnt endlich jener edele Wetteifer uns anzufeuern, er verspricht der achte
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