des Ersteren Tode, welcher frühestens 1569 erfolgte, (denn Ulrich baute, wie wir gleich sehen werden,1558 das neue Schloss allein) kamen sie ausschliesslich in Ulrichs, des bekannten Grosshofmeisters, Hände.Wie umfangreich dieselben im 16. Jahrhundert gewesen, geht einmal schon aus der Musterrolle von 1523hervor, in welcher der Rossdienst für den Spantekower Grundbesitz auf 6 Pferde veranschlagt und dazu be-merkt wird, dass die richtige Schätzung 14 Pferde sei, und würde dies nicht vergessen werden zur Zeit,wann die Besitzer (jene Brüder Hans und Ulrich, welche 1523 noch unmündig waren), zur Mündigkeitgelangt sein würdenDann aber führt der Lehnbrief von 1533 2) als zugehörig zum Schlosse Spantekow''folgende (hier alphabetisch geordnete) zahlreiche Dörfer und Güter auf:
1) ganz Cummerow, Iven, Janow, Japenzin, Eebelow, Kubenow, Zinzow. r -
2) Antheil an Bartow, Boldekow, Bollentin, Dennin, Drevplow . Glien, Krien, Löwitz, Moker, Putzar,Sarnow, Stretense, Strippow. ■) 3
3) Die wüsten Orte Barentin, Damerow, Kobrow, Mussebeke.
4) Pacht zu Gawetzow, Kadow, Kartlow, Wodarg. ^
5) Zoll auf der Kagel (sie statt Kavel).
Als Veste betrachtet mochte Spantekow den Ansprüchen des 16. Jahrhunderts nicht mehr genügen,auch wohl im Laufe der Zeit — denn die Burg stand ja seit etwa 250 Jahren und hatte überdies in denFehden der Spantekower Schwerine mancher Berennung Trotz bieten müssen — baufällig geworden und zumTheil verfallen sein; daher entschloss sich der Grosshofmeister, an Stelle der alten eine vollkommen neueVeste zu erbauen. Aus den noch heute wohl lesbaren Inschriften 3 > neben und unter den in Stein ge-hauenen Bildnissen, welche über dem Eingangsthore von Spantekow den Erbauer der neuen Burg und seineGemahlin Anna von Arnim in Lebensgrösse darstellen, geht hervor, dass Ulrich den Bau am 1. März1558 begonnen hat, als er, der um 1500 geborene, zu seinem Alter kam, und dass man 1567 die Karrendas letzte Mal schob. Der Bau hat somit 9 Jahre gewährt. Seine Gemahlin stand ihm bei dem Unter-nehmen, insbesondere durch ihre Fürsorge für die Arbeiter, treu und unverdrossen zur Seite.
Sie half allzeit mit höchstem Fleiss, dass dies Werk gewann seinen Preis; der Werkmann keinenPfennig empfing, der nicht durch ihre Hände ging; versorgte sie auch mit Speise und Trank, und Allesauch versehen that, dass Keiner sich zu beklagen hatte.
Diesem Aufwände an Zeit, Mühe und nicht minder wohl an Geld entsprach denn auch die Festigkeitund der Umfang der neuen Burg. Otto, der nachmalige Oberpräsident von Schwerin (Taf. XVIII. 1), erwähntin dieser Beziehung in seiner Trauerrede 4 > auf Vivigenz von Schwerin, den letzten Besitzer Spantekows ausder Linie Putzar (Taf. VIII. 53): Ulrich habe den Kalk zur Fundamentirung der Wälle behufs grössererHaltbarkeit mit Eiern vermischen lassen; das Schloss habe eine dreieckige Gestalt gehabt und sei so ge-räumig gewesen, dass einst 14 Schwerine zu gleicher Zeit in demselben bequem gewohnt hätten. Demneuen Schlosse fehlte nichts, was zu einem befestigten Platz gehörte; Ulrich hatte es mit hohen und starkenMauern umgeben, mit Wällen, einem breiten Wassergraben und einer Zugbrücke gesichert, für geräumige Höfeund feste Thore gesorgt und die in Windungen angelegten Gewölbe mit zahlreichen Schiessscharten versehen;auch das Burgverliess zur einstweiligen Unterbringung der gefangenen Gegner war nicht vergessen. So ausge-stattet war es wohl im Stande, im dreissigjährigen Kriege den Kaiserlichen Hindernisse zu bereiten. Als esspäter, 1677 im Schwedisch-Brandenburgischen Kriege, auch dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Branden-burg unbequem wurde, versuchte dieser, die Burg zu sprengen; doch gelang ihm dies nur in Betreff desHauptgebäudes; die Schlosskirche und die Seitengebäude blieben stehen. Jene ist im Jahre 1748 nieder-gebrannt, diese, der Graben und die Wälle erwecken noch heute ein lebhaftes Interesse an dem einst mäch-tigsten Rittersitz des Geschlechts von Schwerin.
yTo n dem Grosshofmeister Ulrich von Schwerin vererbte sich, vermuthlich 1575, der Spantekow'scheBesitz zu gleichen Theilen in Bezug auf Burg und Gut an zwei seiner Söhne, Dietrich und Bernhard vonSchwerin (Taf. VHI. 7 und 12); als Letzterer starb, ging dessen Erbtheil an seine vier Brüder, den ge-nannten Dietrich, ferner Ulrich, Joachim und Ludolf von Schwerin (Taf. VIII. 9, 10 und 13) über 5 >.Dietrich starb ohne Lehnserben; von den Nachkommen seiner drei Brüder waren Joachims Sohn Rüdiger(Taf. VIII. 23) und nach dessen Tode 1623 seine Wittwe Catharina geb. von Eickstedt mit so vollkom-
1) Vgl. Th. II S. 151 und 156. — 2) U. B. II. 456. — 3) Die vollständige Wiedergabe derselben siehe in Th. II S. 159und 160. Wir haben hier nur hinzuzufügen, dass auch über den Bildnissen noch eine Inschrift von drei Zeilen sich befindet,deren letzte unleserlich geworden, die beiden ersten dagegen folgendermassen lauten:
Protegat Deus patriam mihi Sedem.
Gnati, unanimes este, timete Deum!
— 4) Vgl. Th. II S. 183. — 5) Ueber die aus diesem Erbanfall zwischen Dietrich und seinen Brüdern erwachsenen Streitig-keiten siehe Th. II S. 161—164.
57