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1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
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Abschnitt 2.

Ausbreitung des Geschlechts von Schwerin.

Die Untersuchung über die Ausbreitung eines Geschlechts hat jederzeit einen doppelten Weg einzu-schlagen; einmal hat sie festzustellen, wieviel und welche Mitglieder von dem als Stammvater erkanntenBegründer des Geschlechts ausgegangen sind, wie dieselben genealogisch zusammenhängen, wie sie nachGenerationen zusammengehören und wie sie in besondere Geschlechtslinien zusammenzufassen sind; zweitensaber hat sie nachzuweisen, ob und in welchem Umfange das Geschlecht von seinem Stammsitze aus nochan anderen Orten sich ansässig gemacht, durch Erwerbung von Grundbesitz seinen Namen weiter getragenund neue Heimathsstellen gesucht und gefunden hat. Man kann diese zwiefache Art der Ausbreitung einerFamilie als die persönliche und räumliche unterscheiden; beide decken sich selbstverständlich nicht not-wendig: mit einer grossen Mitgliederzahl ist eine geringe territoriale Ausbreitung und ebenso umgekehrtmit einem ausgedehnten Familienbesitz ein nur kleiner Bestand an Familiengliedern wohl vereinbar.

Bei dem Geschlecht von Schwerin freilich entsprechen dem Eeichthum an Familienmitgliederndessen weitverbreitete räumliche Niederlassungen. Die Ergebnisse unserer Untersuchung nach der ersterenRichtung sind, soweit sie die Entstehung, Bildung und Zusammengehörigkeit der Linien zum Gegen-stande haben, in dem vorliegenden Abschnitt und in der dem zweiten Theil dieses Werkes beigegebenenUebersichtstafel, soweit sie den Inhalt der einzelnen Linien d.h. die zu denselben gehörenden Personenund deren genealogischen Zusammenhang angehen, in den biographischen Nachrichten und den 22 Special-Stammtafeln des zweiten Theiles niedergelegt; die Ergebnisse der Untersuchung über die räumliche Aus-breitung des Geschlechts werden theils ebenfalls in diesem Abschnitt 2, theils in dem nächstfolgenden drittenAbschnitt von den Besitzverhältnissen des Geschlechts von Schwerin mitgetheilt.

I. Die Meklenburgische Linie (Taf I). x)

Man wird leicht versucht sein, den im Jahre 1217 zweimal urkundlich erscheinenden Bemhardus deZverin 2 > wegen der Differenz von ungefähr 40 Jahren und weil ihm der Titel Vogt fehlt, bereits für einenSohn jenes ersten, im vorigen Abschnitt als Begründer des Geschlechts bezeichneten Bernhard (No. 1) anzusehen;doch der Umstand, dass der in diesen Urkunden erwähnte Bernhard dem neuen Vogte Reinbold in der Reiheder Zeugen vorangeht, bestimmt uns anzunehmen, wir haben noch jenen ersten Bernhard im Greisenaltervor uns, in welchem er für das Amt eines Vogts die nöthige Kraft nicht mehr besitzen mochte, wohl aberdurch seine langjährigen Erfahrungen vorzugsweise für den Rath geeignet war und wohl würdig, selbst vordem neuen Vogte genannt zu werden.

Erst in dem 1218 und 1226 als Zeuge auftretenden Bernardus advocatus® und 1237 als ver-storben bezeichneten Bernardus von Schwerin 4 ' glauben wir den Sohn des ersten Bernhard und damit denRepräsentanten der zweiten Generation des Geschlechts (No. 2) zu erkennen. Auch noch die dritte Gene-ration, die Söhne dieses Bernhard Namens Heinrich und Daniel (No 3 und 4), verblieb im Lande; dochwandten sich schon des Letzteren Söhne nach ausserhalb, nach Pommern, und begründeten dort neben derursprünglichen Meklenburgischen Linie zahlreiche neue, bis auf den heutigen Tag blühende Linien des Ge-schlechts (vgl. No. II). r,)

1) Die den Personen-Namen beigefügten Nummern beziehen sich hier, wie überall in diesem Abschnitt, wenn keine be-sondere Stammtafel angegeben wird, auf die Stammtafel der jedesmal in Besprechung stehenden Linie des Geschlechts.2) U. B. I. 2 und 3. 3) U. B. I. 4 und 5. U. B. I. 10. 5) Der im Jahre 1874 verstorbene Staatsarchivar zu StettinDr. Klempin war der (nur in einem Briefe niedergelegten) Ansicht, dass aus der Meklenburgischen Linie des Geschlechtsvon Schwerin auch die seit dem 13. Jahrhundert im Lüneburg'sehen mit Werner von Schwerin erscheinende, in der zweitenHälfte des 14. Jahrhunderts daselbst wiederum erlöschende Familie von Schwerin herstamme; er ging dabei von der Annahmeaus, dass Bernhard II. von Schwerin zweimal verheirathet gewesen sei, und zwar das zweite Mal mit der Wittwe des 1190 leben-den Ritters Otto I. Magnus, Mutter des 12261245 erscheinenden Otto II. Magnus oder Grote, und dass er aus seiner ersten